Kommentar

Lassen wir die Lotsen arbeiten

Es gibt zwei Gründe, warum der Fingerzeig auf die Lotsen nach dem F/A-18-Absturz falsch ist, findet Redakteur Samuel Schumacher.

Der Schuldige scheint gefunden, die Sache klar: Die Militärrichter, welche die Ursache für den jüngsten F/A-18-Absturz Ende August untersuchen, bestätigten gestern, dass der Pilot vom Skyguide-Lotsen eine falsche Flughöhe erhalten hatte. Schon wieder ein Fluglotse, könnte man sich denken. Genau wie in Überlingen 2002, wo ein Fehler eines Lotsen 71 Menschen das Leben kostete. Genau wie am Flughafen Zürich, wo 2011 vermutlich eine Unachtsamkeit eines Lotsen zum Beinahe-Zusammenprall zweier Passagierflieger führte.

Doch aus zwei Gründen ist der Fingerzeig auf die Lotsen falsch: Erstens sind die Untersuchungen der Militärjustiz längst nicht abgeschlossen. Die Blackbox, die Klarheit über den Unfallhergang geben könnte, bleibt verschollen. Bis endgültige Ergebnisse vorliegen, gilt für den betroffenen Fluglotsen die Unschuldsvermutung. Zweitens passieren Fehler wie jener, der zum Absturz der F/A-18-Maschine am Hinter Tierberg führte, extrem selten. Auf die Fluglotsen ist tagtäglich Verlass. Das zeigen nicht zuletzt aktuelle Zahlen: 2015 lotsten die Skyguide-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter an ihren Radarschirmen im Schnitt 3225 Flüge pro Tag (insgesamt gut 1,17 Mio. Flüge) über den helvetischen Himmel. Ernsthafte Vorfälle gab es dabei keinen einzigen.

Jetzt die Lotsen vorschnell an den Pranger stellen, das bringt niemanden weiter. Im Gegenteil. Für die Frauen und Männer, die den anspruchsvollen Job Tag für Tag ausüben, ist es wichtig, dass sie ihrer Arbeit mit freiem Kopf nachgehen können. Die laufende Untersuchung wird früh genug zeigen, wie man aus dem Fehler lernen kann. Jetzt schon ist klar: Wenn wir uns eines nicht leisten können, dann sind es unnötig gestresste Fluglotsen, die mit bangem Blick auf ihre Radarschirme starren. Der Druck, der auf ihnen lastet, ist auch ohne vorschnelle Verurteilungen gross genug.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1