Abstimmung in Bern

Kürzung der Sozialhilfe: Der Schweiz unwürdig

Wer in Bern von der Sozialhilfe lebt, führt kein feudales Leben.

Wer in Bern von der Sozialhilfe lebt, führt kein feudales Leben.

Monatlich 977 Franken für Lebensmittel, Kleider, Mobilität, Kommunikation und Freizeit: Wer in Bern von der Sozialhilfe lebt, führt kein feudales Leben. Und doch will der Kanton den Betrag auf 907 Franken senken; für junge Erwachsene gar auf 528 Franken. Damit soll der Druck erhöht werden, wieder eine Arbeitsstelle zu finden.

Was die Vertreter von SVP, FDP und BDP hier vertreten, offenbart ein trauriges Menschenbild. Die Rechte zeichnet das Bild eines Schmarotzers, der fürs Arbeiten zu faul ist und lieber beim Staat die hohle Hand macht. Die Realität sieht anders aus.

Das Gros der Sozialhilfebezüger würde gerne arbeiten. Sie sehnen sich nach sozialen Kontakten, Wertschätzung und Sinn in ihrem Leben. Doch oft sind sie in einem Teufelskreis gefangen. Sie bewerben sich für einen Job, kriegen Absagen, hadern mit ihrem Selbstwertgefühl und werden psychisch krank. Zwei Drittel der Langzeitbeziehenden haben gesundheitliche Probleme. Will man diese bereits gezeichneten Personen wirklich unter das soziale Existenzminimum drücken?

Die pauschale Kürzung führt auch deshalb in die Irre, weil arbeitsscheue Sozialhilfebezüger bereits heute sanktioniert werden können. In Bern kann das Sozialamt den Betrag bis zu 30 Prozent kürzen, wenn es zum Schluss kommt, dass sich jemand ungenügend um eine Arbeitsstelle bemüht. So richtig das ist, so unnötig ist die undifferenzierte Senkung, wie sie nun in Bern angedacht ist.

Übrigens: Jede vierte Person verzichtet laut Studien aus Scham auf Sozialhilfe, obwohl sie das Recht dazu hätte. So viel zum Thema Schmarotzertum.

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