Kommentar

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Heimbewohner über 65 schlucken im Schnitt neun verschiedene Medikamente parallel.

Heime stellen Apotheker ein, um die Medikamente der Bewohner zu kontrollieren. Der Kommentar.

Medikamente können Leid lindern. Doch je nach Mix können sie die Gesundheit auch gefährden – vor allem bei älteren Patienten. Bei ihnen ändert sich der Stoffwechsel, die Dosierung nach Richtlinie ist plötzlich falsch. Um unerwünschte Nebenwirkungen zu verhindern, braucht es eine Expertise, die heute in vielen Pflegeheimen fehlt. Dass die Bewohner zuweilen Pillencocktails schlucken, welche unpassend oder gar gefährlich sind, ist zwar bekannt. Auf nationaler Ebene gingen Vorstösse dazu ein. Doch passiert ist bisher nichts. Der Bundesrat hat lediglich eine Datenbank für die Medikation betagter Patienten in Aussicht gestellt. 

Dabei haben einzelne Pflegheime längst bessere Lösungen entwickelt: Sie engagieren einen Apotheker, der den Pillenmix der Heimbewohner unter die Lupe nimmt, die Therapie besser an den Bedürfnissen des Patienten ausrichtet und die Zahl der Präparate reduziert. Die sogenannte pharmazeutische Betreuung entsprang zwar dem finanziellen Druck der Heime – die Ausgabenposten für Medikamente steigen. Doch lässt sich mit dem Modell längst nicht nur Geld sparen, sondern eben auch die Gesundheit der Patienten verbessern. 

Im Kanton Wallis und in Freiburg hat sich der Vertrauensapotheker als feste Institution in den Pflegeheimen bewährt – auch finanziell. Das zeigt: Gute Ideen tauchen immer wieder auf. Anstatt also das Rad bei jedem gesundheitspolitischen Problem neu zu erfinden, lohnt es sich zuweilen, über den Tellerrand hinauszublicken und sich einzugestehen, dass es andere Kantone einfach besser machen.

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