Postauto

Kontrolle ist besser

Anna Wanner
Die PostAuto AG hat Subventionen für gewinnbringende Linien erhalten. Nun will der Bund das Geld zurück.

Die PostAuto AG hat Subventionen für gewinnbringende Linien erhalten. Nun will der Bund das Geld zurück.

Die Postauto AG hat über Jahre öffentliche Gelder missbraucht. Ein Kommentar.

Es ist der Inbegriff des Schweizer Postkarten-Idylls: Das gelbe Postauto, welches über enge Bergstrassen kurvt und die entlegensten Dörfer der Schweiz bedient. Das positive Bild hat nun tiefe Risse erhalten. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat bei Revisionsarbeiten entdeckt, dass die Postauto AG zwischen 2007 und 2015 über 10 000 Positionen falsch verbucht hatte. Gewinne, die sie im subventionierten Regionalverkehr gemacht hatte, schrieb Postauto AG einfach einer anderen Sparte zu. So wurden unrechtmässig Steuergelder in der Höhe von fast 80 Millionen Franken abgeschöpft. Das Vorgehen war klar gesetzeswidrig. Der Chef sowie der Leiter Finanzen müssen als Folge ihre Posten räumen.

 

Die Rede ist von «irreführendem Verhalten». Erst ein neuer Bericht der Post soll zeigen, ob es auch zu Straftaten gekommen ist. Das Ausmass lässt kaum Zweifel zu: Über 10 000 Positionen, darunter auch Kleinstbeträge à 300 Franken, hat die Postauto AG falsch abgebucht. Dafür muss neben einer gehörigen Portion krimineller Energie auch ein Team vorhanden sein, das beim Betrügen hilft. 

Trotz offener Kommunikation bleiben zwei Fragen ungeklärt: Wer hat die Mitarbeiter beauftragt, falsch abzubuchen? Sie haben ja nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet. Und wie konnte der systematische Betrug so lange unter dem Deckel bleiben? Wieso die Kon- trolle des BAV erst so spät einsetzte, ist unklar. Sie erwies sich als richtig – und hat Vorbildcharakter. Wenn sogar die Postauto AG mauschelt, sollte das andere Bundesämter dazu aufrütteln, bei der Verwendung von Steuergeldern ebenfalls genauer hinzuschauen.

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