Regierungsratswahlen

Kommentar zur Wahl von Franziska Roth: «Der Trump-Effekt»

Donald Trump wurde im November zum 45. US-Präsidenten gewählt.

Donald Trump wurde im November zum 45. US-Präsidenten gewählt.

SVP-Kandidatin Franziska Roth wurde am Sonntag in den Aargauer Regierungsrat gewählt. Der Kommentar von az-Chefredakteur Christian Dorer über den Ausgang des 2. Wahlgangs der Regierungsratswahlen.

Gestern endete einer der spannendsten Wahlkämpfe in der neueren Geschichte des Aargaus. Niemand hatte eine Prognose gewagt, und so lag die grösste Überraschung darin, wie deutlich das Resultat ausgefallen ist: SVP-Kandidatin Franziska Roth schwang klar obenaus. Sie holte 38 Prozent der Stimmen, SP-Nationalrätin Yvonne Feri 32, BDP-Kandidatin Maya Bally 25 Prozent.

Infogram: Regierungsratswahlen 2016: Das Schlussergebnis des 2. Wahlgangs

Es ist das Ende eines intensiven, harten, aber fairen Wahlkampfs. Die Aargauerinnen und Aargauer hatten die Auswahl zwischen je einer Kandidatin von rechts, Mitte und links – und zogen diejenige ohne politische Erfahrung den beiden etablierten vor. Bisher war das Regierungsamt die Krönung langjähriger Karrieren. Heute aber ist politische Unerfahrenheit offenbar kein Hindernis mehr, in hohe Ämter zu gelangen. 

Der Trump-Effekt hat den Aargau erfasst. Nicht auf den Charakter bezogen – Franziska Roth ist eine hochanständige Person –, sondern auf den Mythos des Aussenseiters, der unbeirrt seinen Weg geht. Die Wahl Donald Trumps hat in rechtsbürgerlichen Kreisen eine Euphorie ausgelöst und die Sehnsucht nach unverbrauchten Kräften verstärkt. Gleichzeitig stieg das Misstrauen gegenüber erfahrenen, verankerten Politikerinnen und Politikern. Und wenn jemand ohne politische Erfahrung US-Präsident werden kann, warum dann nicht Aargauer Regierungsrätin?

«Ich freue mich wirklich sehr»: Franziska Roth in einem ersten Interview.

«Ich freue mich wirklich sehr»: Franziska Roth in einem ersten Interview.

Die SVP versuchte im Aargau seit Jahren, einen zweiten Regierungsratssitz zu erobern – bisher ohne Erfolg. Die SVP-Schwergewichte Luzi Stamm und Thomas Burgherr scheiterten in der Vergangenheit daran – erst die Nicht-Politikerin Roth hat es nun geschafft.

Ihr ist für das neue Amt alles Gute zu wünschen. Wie sie es machen wird, wird – wie bei Trump – die Praxis zeigen.

Vieles deutet darauf hin, dass sie das Asyldossier von Susanne Hochuli übernehmen wird – und es spricht für den SVP-Parteipräsidenten Thomas Burgherr, dass er sich dies wünscht. Jahrelang hat die SVP Hochuli und das angebliche Asylchaos kritisiert. Jetzt wird Roth hoffentlich die Gelegenheit haben, es besser zu machen. Vielleicht gelingt es sogar: Roth wäre mit Gegnern aus den eigenen Reihen konfrontiert, und da kann eine SVP-Frau den Knopf vielleicht besser lösen als eine linke Politikerin, die per se Abwehrreflexe auslöst.

Autor

Christian Dorer

Christian Dorer

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