Wetterfeen unterliegen Moden. Mal grundsätzlich: Es gab während Jahrhunderten fast überall Feen; «Wetterfeen» sind vergleichsweise jung. Zweitens unterliegen sie auch Moden sprachlicher Natur. Der Ausdruck «knackig kalt» ist ebenfalls jüngeren Datums, zerfiel aber rasch ins Gegenteil von «knackig», ward fade, schade. Zu viele «Wetterfeen» führten und führen ihn im Mund.

Um Erfahrungen oder Haltungen poetisch zu formulieren, bedarf es der Metaphern. Kalt genügt uns selten. Es ist «saukalt», «klirrend kalt» und «bitterkalt». Kälte befeuert paradoxerweise den Einfallsreichtum bei Metaphern. Sinken die Temperaturen weiter, steht das Sprachzentrum förmlich unter Dampf: «sibirische Peitsche».

Kein Wunder: Die Kälte-Metapher steht im Ruf, besonders erkenntnisstiftend zu sein. Das Hirn ist schliesslich, im Gegensatz zum Herz, das kälteste Organ. Mit Kälte-Metaphern wird der Gesellschaft gern eine Diagnose gestellt: Die Gesellschaft ist «erstarrt», Beamte befinden sich im «Winterschlaf». Doch kannte auch die Vergangenheit Kälte: Den «Kalten Krieg», die «Tiefkühlgefrierung des Ostblocks», den «Spion, der aus der Kälte kam». Bei inflationärem Gebrauch schmilzt aber selbst sprachlich reinstes Eis. «Wetterfeen», kühlt meine Nerven: Hört sofort auf mit «knackig kalt»!