Vandalismus an Bahnhöfen

Kleines Übel oder grosses Ärgernis?

Schon wieder: Der Bahnhof Neuenhof ist einer von vielen, an denen es immer wieder sinnlose Gewaltausbrüche gibt. AF.

Schon wieder: Der Bahnhof Neuenhof ist einer von vielen, an denen es immer wieder sinnlose Gewaltausbrüche gibt. AF.

Trotz zunehmendem Vandalismus verzichten die SBB an kleineren Bahnhöfen auf Videoüberwachung. Der Kommentar.

Eigentlich haben die SBB ja gerade ganz andere Sorgen: Fünf Jahre Verspätung für die Doppelstockzüge, die das Staatsunternehmen für 1,9 Milliarden Franken bestellt hat. Da sind kaputtgeschlagene Wartehäuschen an den Regionalbahnhöfen wahrlich ein kleines Übel dagegen. Trotzdem sind sie ein Ärgernis für Pendler und für treue Bahnkunden.

Die SBB sprechen gerne davon, die Bahnhöfe seien ihre «Visitenkarte». Es drängt sich deshalb die Frage auf, warum nicht auch kleinere Bahnhöfe mit Videokameras überwacht werden. Natürlich müsste eine Überwachung so zurückhaltend wie möglich sein. Nur: Die SBB argumentieren gar nicht mit dem Datenschutz. Nein, sie argumentieren mit zu hohen Kosten.

Bahnhöfe sind Knotenpunkte für Reisende, aber auch Treffpunkte für Jugendliche – und nicht zuletzt für allerlei Trunkenbolde. Dass da zu später Nachtstunde das Gewalt- und Zerstörungspotenzial steigt, ist klar. Auch wenn die Polizei ihrer Pflicht vorbildlich nachkommt und die Bahnhöfe regelmässig kontrolliert: Sie kann nicht permanent vor Ort sein. Kameras an den Bahnhöfen würden eine Strafverfolgung zumindest erleichtern.

Die Kosten für sinnlose Gewaltakte tragen wir alle mit Steuergeldern und steigenden Billettpreisen. Irritierend ist zudem, dass die SBB am liebsten gar keine Berichterstattung über Vandalismus möchten, weil das zu Nachahmereffekten führe. Das mag vereinzelt stimmen. Das Problem totzuschweigen, kann aber auch nicht die Lösung sein. Man wird das Gefühl nicht los, dass zuerst etwas Schlimmeres passieren muss, bevor die SBB Geld in eine umfassendere Videoüberwachung investieren.

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