Keine nackte Haut, keine sichtbare Unterwäsche, keine tiefen Ausschnitte, keine Trainerhosen, keine kurzen Röcke. Das empfiehlt die Schule Merenschwand in ihrer Kleiderordnung. Die Empfehlungen, die sich wie Weisungen lesen, sollen eine Hilfestellung für Eltern und Schüler sein. Die Regeln haben Oberstufenlehrer erarbeitet und sie den Klassen erklärt. Die Schüler konnten nicht mitreden. Das war ein Fehler. Wer Teenagern mit Vorschriften kommt, stösst sie damit meistens vor den Kopf. Was verboten ist, hat in diesem Alter einen besonderen Reiz. Teenies wollen Grenzen ausloten. Sie färben die Haare blau, mögen Trainerhosen oder zerrissene Jeans. Später werden sie über ihr früheres Ich lachen. Besserwisserische Sprüche wollen sie aber auf keinen Fall hören. Sie fühlen sich erwachsen und wollen so behandelt werden.

Hier sollten Schulen ansetzen. Anstatt Kleiderregeln zu erlassen, wäre es sinnvoller, mit den Schülern wie mit erwachsenen Menschen über Erwartungen zu sprechen. Was ist der Lehrperson wichtig, was den Schülern? Wo hört die eigene Freiheit auf, weil sie die Freiheit anderer einschränkt? Sind zu kurze Röcke oder Trainerhosen ein Problem und falls ja, wann und warum?

In einem solchen Gespräch lernen Schüler nicht nur, die eigenen Bedürfnisse in Worte zu fassen und zu diskutieren. Sie lernen auch, Verständnis für ihre Mitmenschen aufzubringen. Alles Fähigkeiten, die sie auf das Leben nach der Schule vorbereiten. Auf das Leben, in dem sie selber entscheiden müssen, dürfen und können, welche Kleider angemessen sind.

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