Drei Jahre Freiheitsentzug, davon 18 Monate bedingt, zusätzlich eine Geldstrafe – das ist zweifellos ein hartes Urteil für den 24-jährigen Pyro-Werfer aus der Ostschweiz. Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hat den gesetzlichen Rahmen klar ausgeschöpft, der ihm in einem solchen Fall zustand. Für den Familienvater, der beim Pyro-Wurf im Luzerner Stadion einen Hörschaden erlitt, ist das Urteil gleichwohl ein schwacher Trost. Er wird bis an sein Lebensende von einem traumatischen Knall-Ereignis verfolgt werden.

Das Urteil darf als Signal an die Fussball-Fangemeinde beziehungsweise deren militanten Teil interpretiert werden. Diese müssen verstehen, dass der Einsatz explosiven Materials wie der verwendeten Kreiselblitze massive Schäden an Leib und Leben verursachen kann, auch wenn ein solcher Schaden nicht unbedingt eintreten muss. Der Rechtsspruch aus Bellinzona macht klar: Wer solche Petarden wirft, muss mit gravierenden strafrechtlichen Folgen rechnen. Das Urteil soll abschreckende Wirkung entfalten.

Erstmals ist die Bundesanwaltschaft in einem solchen Fall aktiv geworden; aber nicht, weil sie über Nacht Lust bekommen hat, zu ermitteln, sondern weil das Gesetz es vorsieht, dass sie beim Einsatz von Sprengkörpern dieser Art ermitteln muss. Damit hat die BA klargemacht, dass Aktionen, die von Fanblocks mit solchem Material gestartet werden, keineswegs verharmlost werden dürfen. Das Bundesstrafgericht stützt diese Einschätzung.

Gleichwohl erscheinen einige Einwände der Verteidigung – etwa zur Klassifizierung von sichergestelltem Pyro-Material im Hause des Täters – nicht a priori falsch. Für den Laien ist eine Beurteilung schwierig. Zu wünschen bleibt daher, dass dank einer Beschwerde ein Bundesgerichtsurteil aus Lausanne folgt, welches festlegt, ob die Interpretation des Bundesstrafgerichts zulässig ist. Erst dann lässt sich zweifelsfrei sagen: In Bellinzona wurde diese Woche Geschichte im Kampf gegen Gewalt in Stadien geschrieben.