Erstaunlich deutlich bewilligte der Nationalrat gestern 100 Millionen Franken für die Betreuung von Kindern im Vorschulalter. Eltern, die ihren Nachwuchs in die Krippe bringen, sollen günstigere und flexiblere Angebote erhalten. Das Subventionspaket kam durch, obwohl FDP und SVP, die im Rat die Mehrheit stellen, offiziell dagegen waren. Doch es gab viele Abweichler.

Die Debatte zeigte: Ob Eltern ihre Kinder selber betreuen oder eine Kindertagesstätte in Anspruch nehmen – diese Frage kann heute unaufgeregt diskutiert werden. Es ist noch nicht lange her, da war das Thema ein ideologisches Minenfeld. Man erinnere sich an die Kontroversen um die Einführung der Mutterschaftsversicherung (2005) oder den Familienartikel (2013).

In den Krippen würden «Staatskinder» herangezogen, tönte es von rechts. Von links wiederum mussten sich Frauen, die sich Vollzeit um ihre Kinder kümmerten, als ewiggestrige Hausmütterchen darstellen lassen. Diese Zeiten scheinen auch in der Schweiz vorbei zu sein, wo im Parlament mit Magdalena Martullo-Blocher eine SVP-Vertreterin sitzt, die drei Kinder hat, aber als Chefin ein globales Unternehmen führt.

Die Gegner der Kita-Förderung argumentierten im Nationalrat denn auch eher staatspolitisch als ideologisch: Ist es wirklich Aufgabe des Bundes, die Kinderbetreuung zu subventionieren, oder sollten sich nicht die Kantone und Gemeinden darum kümmern?

Die Frage ist legitim. Doch sie wird am falschen Ort gestellt. Denn bei den Kitas geht es um 100 Millionen Franken, der Bund zahlt aber jährlich 39 Milliarden (!) Subventionen für alles Mögliche. Heute ist die Vereinbarung von Familie und Beruf für sehr viele Schweizer das zentrale Alltagsthema. Darum ist es gut, dass auch der Bund etwas für sie tut.