Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare. Bei dem Thema ist der Aufschrei in konservativen Kreisen programmiert – könnte man meinen. Dabei flutschte der Antrag im Parlament am Montag mit einer komfortablen Mehrheit durch. Das Familienmodell sollte eigentlich nicht entscheidend sein – könnte man meinen.

Genau da lag der Hund begraben: Eine knappe Minderheit (92:95 Stimmen) des Parlaments war der Ansicht, dass nur Paare zur Adoption zugelassen werden sollten, die über einen Trauschein verfügen. Die Kritik richtete sich weniger an Schwule und Lesben, sie richtete sich an Konkubinatspaare: Bevor ein Paar eine Adoption beantragen darf, muss es sich rechtlich
binden. Wie bitte? Die Argumentation, dass Unverheiratete keine Kinder haben dürfen, stammt aus dem letzten Jahrhundert. Sie widerspricht dem Zeitgeist: Soll der Staat vorschreiben, nach welcher Lebensform wir zu leben haben? Nein, ein liberaler Staat mischt sich in solch privaten Angelegenheiten gar nicht ein.

Gleichzeitig darf die Öffnung der Stiefkindadoption auf alle Paare nicht überbewertet werden. Es dürfen zwar alle Paare einen Antrag stellen. Doch die Ansprüche an die Eltern sind nach wie vor sehr hoch. So ist die Stiefkindadoption letztlich als Schutz des Kindes zu verstehen, falls dem leiblichen Elternteil etwas zustossen sollte. Deshalb macht es auch keinen Sinn, dass ein Kind dafür bestraft wird, wenn sein Vater oder seine Mutter nicht heiraten wollte. Zum Glück hat die Mehrheit des Parlaments dies erkannt und das Gesetz entsprechend geändert.

anna.wanner@azmedien.ch