Asylunterkunft Liebegg

Keine Zurückhaltung mehr bei Hasstiraden

Hier, in der landwirtschaftlichen Schule Liebegg, will der Kanton 60 Asylsuchende unterbringen.

Hier, in der landwirtschaftlichen Schule Liebegg, will der Kanton 60 Asylsuchende unterbringen.

In der Schweiz darf jeder weitgehend sagen, was er denkt. Aber nicht jeder bedenkt dabei, was er sagt.

Jeder hat das Recht, sich den Frust von der Seele zu reden. Oder die Angst. Zu Hause, im Ausgang, auf Facebook. Im privaten Rahmen müssen wir uns nicht unbedingt zweimal überlegen, was wir sagen. Wo wären wir denn, wenn wir nicht mal emotional sein dürften, unüberlegt, auch schlicht böse. Jene, die es hören, wissen hoffentlich, wie es gemeint ist. Oder dass es nicht so gemeint ist.

Dass das auch in den öffentlichen Online-Foren geschieht und die Kommentatoren auch dort kein Blatt vor den Mund nehmen, daran haben wir uns schon gewöhnt. Die Medien schalten grenzwertige Kommentare auf ihren Portalen nicht frei, auf anderen Internetseite bleiben sie stehen.

Dass die Wut und der Hass auch an einem Informationsabend öffentlich gezeigt werden, ist neu. Und es schockiert. Wie hat das der Mann genau gemeint, der am Info-Abend über die Asylunterkunft in Gränichen ans Mikrofon trat und fragte: «Müssen wir in Zukunft mit dem Baseballschläger durchs Dorf laufen?» Und was ist in die junge Frau gefahren, die ihrem Sitznachbarn für alle gut hörbar zuraunte, die Landwirtschaftsschüler der Liebegg sollten mit ihren Traktoren die «Terroristen» doch gleich überfahren.

In der Schweiz darf jeder weitgehend sagen, was er denkt. Hoffentlich bleibt das so. Auch deswegen stellen hier viele Antrag auf Asyl. Es scheint uns eine andere Qualität abhandenzukommen: die Bedächtigkeit. Der Mann am Mikrofon hat Angst, dass die Asylbewerber die Strassen unsicher machen. Das Klima vergiftet er selbst.

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