Die Zersiedlungsinitiative will die Bauzonen auf unbestimmte Zeit einfrieren. Der Nationalrat zerpflückte gestern das Volksbegehren der Jungen Grünen. Zu radikal, lautete der Tenor. Damit liegt er richtig. Denn auch wenn die Initiative hehre Ziele verfolgt, kommt sie zur Unzeit: Noch sind Kantone und Gemeinden damit beschäftigt, die erste Revision des Raumplanungsgesetzes umzusetzen.

Diese nimmt die Kernanliegen der Initianten auf: Siedlungsentwicklung nach innen und weniger Landverschleiss. Die Gemeinden müssen ihren Baulandbedarf für die nächsten 15 Jahre ausweisen. Verfügen sie über zu grosse Reserven, muss zurückgezont werden. Private müssen teilweise entschädigt werden. Langwierige Prozesse, die oft erst vor Bundesgericht entschieden werden, sind vorprogrammiert.

Eine Annahme der Initiative würde die Regeln mitten im Spiel ändern. Bevor mit der nächsten Initiative Druck aufgesetzt wird, wäre es klüger, die nächsten Jahre abzuwarten, um die Wirkungen der Reform abzuwarten. Dazu ist die Initiative unausgegoren. Mit dem schweizweiten Moratorium will sie alles über einen Leisten schlagen. Auf regionale Unterschiede geht sie nicht ein. Der Druck auf wertvolle Böden ist aber vor allem im Mittelland enorm.

Wichtiger als die Initiative ist die zweite Reform des RPG, welche das Bauen ausserhalb der Bauzone regeln soll. Hier muss der Bundesrat endlich einen überzeugenden Vorschlag auf den Tisch legen, wie er die klare Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet künftig handhaben will.