Wetterschwankungen hin oder her – die Natur zeigt sich wie jedes Jahr im Frühling von ihrer schönsten Seite: Rapsfelder verbreiten ihren intensiven Geruch, auf grünen Wiesen kauen Rindviecher, Gänseblümchen recken und strecken sich, und mit etwas Glück hört man den ersten Specht klopfen.

Bei meinen Waldspaziergängen schwingt allerdings oft Wehmut mit. Schuld daran sind die mächtigen Stämme mit ihren noch frischen Wunden, die entlang der Wege liegen. Der feine Rauch, der aus grossen Aschenhaufen dringt, aus denen Überreste von Tannästen ragen, trägt ebenso dazu bei, wie das Astwerk von leider kranken Eschen und anderen Laubbäumen, das kreuz und quer aufgeschichtet liegt. Die Bürdelimacher scheinen ausgestorben zu sein. Der Wald muss, das ist mir klar, bewirtschaftet sein, neues Leben blüht aus den dicken Strünken. Aber der Anblick der gefällten und entblössten, einst so stolzen Stämme stimmt mich, bei aller Frühlingsherrlichkeit, melancholisch.

Unwillkürlich geht mir der Schlager durch den Kopf, der vor einem halben Jahrhundert die sehr früh verstorbene Sängerin Alexandra berühmt gemacht hatte: «Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot …» Sentimentalität gehört für mich eben auch zum Frühling.