Wir haben uns längst daran gewöhnt, für einen Flug nach London nicht mehr als 100 Franken zu bezahlen. Billigflieger erlauben es Geschäftsleuten und Touristen heute, rasch und bequem in Europa umherzujetten. Neben dem Aufkommen des drahtlosen Internets prägte auch diese neue Freiheit wie kaum eine andere den Beginn dieses Jahrhunderts.

Und die «Aldisierung» der Lüfte ist nach wie vor in vollem Gang. Neben Kurzstrecken sind auch Langstrecken heute sehr günstig zu kaufen. Einzig die Anbieter von Nachtzügen haben das Nachsehen. Doch nun ist Air Berlin pleite und alle fragen sich: Ist damit auch die Ära der Billigflieger am Ende?

Die Antwort ist klar: Nein. Easyjet oder Ryanair verdienen weiterhin gutes Geld. Sie haben eine hohe Auslastung und verdienen nicht nur am Transport von Passagieren, sondern auch dank dem Transport von Paketen und Briefen. Von der Pleite des Konkurrenten können sie profitieren. Das zeigt sich am Aktienkurs der vergangenen Tage.

Dank Zusatzgeschäften erwirtschaften sie hohe Einnahmen

Doch eigentlich darf man ja gar nicht mehr von Billigfliegern reden. Denn die Geschäftsmodelle der klassischen Airlines und der günstigen Linien haben sich längst angeglichen.

Man kennt es schon: Bei Kurzstrecken muss der Reisende schon bei der Buchung oft für die Wahl des Sitzplatzes, seinen Koffer, Sportgepäck und auch für Essen und Trinken während des Fluges extra bezahlen. Auf den Homepages der Fluglinien wird man auf Angebote für Mietwagen und Hotels umgeleitet und man erhält gegen Aufpreis eine Reiserücktrittsversicherung angeboten.

Mit diesen Nebeneinnahmen lässt sich offenbar gutes Geld machen. Wie die «Berliner Morgenpost» vorrechnet, haben es Ryanair mit Zusatzeinnahmen von rund zwei Milliarden Dollar und Easyjet mit 1,36 Milliarden Dollar unter die Top-Ten-Gesellschaften geschafft.

Auf der anderen Seite die klassischen Fluglinien: Wer nach Berlin reisen wollte und frühzeitig buchte, konnte in den vergangenen Jahren meist auch mit der Swiss günstiger fliegen als mit einer Billig-Airline. Auch sind die Tarifmodelle angepasst worden, der Online-Kanal gestärkt worden, der Service an Bord kostenpflichtig. Bei der Swiss führt dies zu sehr guten Zahlen.

Air Berlin hat also offenbar unternehmerisch etwas nicht richtig angepackt. Anfang der 2000er-Jahre galt die Airline noch eindeutig als Billigfluggesellschaft. Doch mit den Jahren weichte das Unternehmen das Billigflugkonzept auf. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einer Hybrid-Fluggesellschaft — einem Konzept, an dem das Unternehmen bis zum Ende festhielt. Nun hat der Partner Etihad die Reissleine gezogen.

Strategische Fehler und ein geschwächter Partner

Denn auch dem einstigen Vorzeigeunternehmen aus Dubai geht es heute nicht so gut wie einst. Der Umsatz stagnierte im abgelaufenen Geschäftsjahr, der Gewinn brach ein. Die Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten haben sich in den vergangenen Jahren mit ihren Nachbarn einen regelrechten Wettbewerb geleistet um die Dominanz im interkontinentalen Flugbetrieb.

Flughäfen mit mehreren parallelen Startbahnen wurden aus dem Wüstenboden gestampft, Flugzeuge wurden zu Hunderten geordert. Etihad und ihre Konkurrenten Emirates und Qatar Airways lenkten Millionen Menschen zu den Flughäfen in Dubai, Abu Dhabi und Doha. Es konnte nicht exklusiv genug sein.

Zubringer-Airlines aus Europa wurden aufgekauft, wie eben Air Berlin, um die transatlantischen Flieger zu füllen. Doch der Zerfall des Ölpreises macht den arabischen Staaten zu schaffen und die neuen strengeren Regulierungen in den USA geben ihnen den Rest. Fluglinien wie Etihad überdenken deshalb nun ihre Strategie.

Es waren also solche Gründe, die dazu führten, dass Air Berlin in ein Schlamassel geraten ist. Das Geschäftsmodell der Billigflieger ist deshalb noch nicht am Ende. Die Geschäftsmodelle sind im Nachgang der Liberalisierung von Verkehrsrechten und Preisen entstanden, zunächst in den USA, später in Europa und Asien.

Findige Geschäftsleute, wie hierzulande etwa Crossair-Gründer Moritz Suter, konnten Flugzeuge kaufen und bei Flughäfen um Lande- und Startplätze buhlen. Diese Liberalisierung des Luftverkehrs ist mit dem Ende von Air Berlin keineswegs gestoppt worden.