Am 23. April feiern die Katalanen Sankt Georg, den Drachentöter. Der Ritter, der nach der Legende durch seinen siegreichen Kampf gegen einen Drachen eine Königstochter rettete, ist der Nationalheilige der abtrünnigen spanischen Region.

Dieses Jahr war ein besonderer «Sant Jordi»-Tag. Er fiel nur wenige Tage vor die gestrigen Parlamentswahlen. Traditionell schenken die Herren den Damen zum Festtag rote Rosen. Die Herren bekommen Bücher. Die Städte und Ortschaften sind darum jeweils voller Bücher- und Blumenstände. Vor den Wahlen liessen es sich die politischen Parteien nicht nehmen, ebenfalls Stände aufzubauen. In Barcelona wurden die beiden Bücher, die der einstige Vizepräsident Kataloniens, Oriol Junqueras, im Gefängnis in Madrid geschrieben hat, direkt neben dem Stand der Rechtspopulisten von Vox verkauft. Die Partei wiederum will am liebsten noch mehr Separatisten in den Knast stecken.

Trotz dieser explosiven Gemengelage blieb es ruhig an Sant Jordi. Keiner aus den beiden verfeindeten Lagern wollte sich als Drachentöter inszenieren. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich die Interpretation des Drachens über die Jahrhunderte stark verändert hat. Früher als furchtbare Bestie dargestellt, gibt es ihn heute als pummeliges Plüschtier zu kaufen. Bei den Kindern ist er heute beliebter als Sankt Georg, der Drachentöter.