Kommentar

Karin Keller-Sutters grösster Makel: Sie ist zu perfekt

Karin Keller-Sutter will FDP-Bundesrätin werden. Ist sie schon gewählt? Ein Kommentar von Chefredaktor Patrik Müller.

Acht Jahre nach ihrer schmerzvollen Niederlage gegen Johann Schneider-Ammann will es Karin Keller-Sutter noch einmal wissen. «Es wäre mir eine Ehre und Freude, Bundesrätin zu sein», sagte die St. Galler FDP-Politikerin, als sie ihre Kandidatur ankündigte. Schon das spricht für die Stärke der 54-Jährigen: Dass sie sich von der damaligen Niederlage nicht zermürben liess, sondern beharrlich weiterarbeitete.

In ihren Dossiers, aber auch an sich selbst: Sachte veränderte sie über die Jahre ihr Image. Sie streifte ihr Hardliner-Etikett ab, wandelte sich von der eisernen Lady zur allianzfähigen Liberalen, die auch mit ihrem Ständeratskollegen Paul Rechsteiner (SP) zusammenarbeiten kann. Die fliessend Französisch und Italienisch sprechende Ex-Regierungsrätin vernetzte sich bei den Romands und Tessinern im Parlament. Mit dem Ständeratspräsidium erreicht ihre Reputation ein Allzeithoch. Da Keller-Sutter auch noch aus dem richtigen Landesteil kommt, fragt man sich: Was kann «Miss Perfect» überhaupt noch stoppen?

Bundesratskandidatur: Karin Keller-Sutter im Interview

Bundesratskandidatur: Karin Keller-Sutter im Interview

Am Dienstagnachmittag hat die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter in Wil SG ihre Ambitionen auf einen Sitz im Bundesrat bekanntgegeben.

Vielleicht ihre Perfektheit. Eine so professionelle, inzwischen auch magistrale Frau ist verdächtig in einem Land, das gern das Mittelmass zelebriert. Allein die geschmeidige Pressekonferenz, an der Keller-Sutter auch bei heiklen Themen den Ton fand («es war mir nicht vergönnt, Kinder zu haben»), wird Hinterbänklern nicht gefallen haben.

Die Bundesversammlung wählt nicht a priori den oder die Besten: Jeder Parlamentarier, jede Partei, jeder Landesteil verfolgt zuallererst Eigeninteressen. Die SVP hat kein Interesse an einer klar bürgerlichen Freisinnigen, die bei der SVP-Basis sehr populär werden könnte. In der CVP haben einige das Interesse, selber einen Ostschweizer in den Bundesrat zu schicken, den St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth; da zuerst der CVP-Sitz von Doris Leuthard und erst dann der FDP-Sitz besetzt wird, sind Manöver Richtung Würth nicht auszuschliessen. Und zwei St. Galler im Bundesrat – das ginge nicht. Keller-Sutters Weg in den Bundesrat ist vorgezeichnet. Aber es gibt Stolpersteine.

Keller-Sutter sagt Ja zu Bundesrats-Kandidatur: «Stelle mich gerne zur Verfügung»

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