Der Regierungsrat verbietet den Einsatz des Lehrmittels «Lesen durch Schreiben» an der Primarschule, weil es darauf setzt, dass die Kinder sich die Rechtschreibung auch ohne Eingreifen der Lehrperson nach und nach selber aneignen. War dieses Verbot nötig?

Wer einstimmt in den vielstimmigen Chor, der beklagt, dass unsere Kinder nicht mehr richtig schreiben können, wird sich über das Verbot freuen. Denn das Verbot ist auch eine klare Absichtserklärung der Regierung: An den Aargauer Schulen muss die Rechtschreibung wieder gründlicher gelehrt und gelernt werden.

Aber braucht es dazu ein Verbot?
Unbestritten ist, dass die Methode «Lesen durch Schreiben» gravierende Mängel aufweist. Wie sich zeigte, haben das die allermeisten Lehrpersonen längst erkannt; das nun verbotene Lehrmittel wird im Aargau ohnehin kaum verwendet und schon gar nicht dogmatisch eingesetzt. Die Bedrohung kann also gar nicht so gross gewesen sein. Zumal es keinen klaren Befund gibt, ob die Schreibkompetenz unserer Kinder tatsächlich ständig abnimmt.

Viel hilfreicher als das Verbot ist da der neue Aargauer Lehrplan. Er verlangt, dass die Lehrpersonen Rechtschreibung systematisch lehren, dass sie den Schülerinnen und Schülern das Korrigieren von eigene Texten beibringen, und zwar unter Einbezug von Grammatik und Orthografie. Dass bei diesem anspruchsvollen Auftrag ungeeignete Lehrmittel keinen Platz haben, versteht sich von selbst. Wozu also das Verbot?

joerg.meier@chmedia.ch