Mensch & Medien

Kampf der Geschlechter, Neuauflage

Barbara Lüthi (Mitte) diskutiert im "Club" mit sechs Frauen über Geschlechterdiskriminierung (v. l. n. r. Tamara Wernli, Caroline Fux, Manuela Barmettler, Stéphanie Berger, Ina Praetorius und Vera Dillier über die Männer in der Krise.

Barbara Lüthi (Mitte) diskutiert im "Club" mit sechs Frauen über Geschlechterdiskriminierung (v. l. n. r. Tamara Wernli, Caroline Fux, Manuela Barmettler, Stéphanie Berger, Ina Praetorius und Vera Dillier über die Männer in der Krise.

Irgendwie schien das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in der jüngeren Vergangenheit fast zu harmonisch. Trotz anhaltend festgestellter Diskriminierung des meist weiblichen Geschlechts in Beruf- und Privatleben war der Krampf des Kampfes einer gewissen Gelassenheit gewichen. Auf faktischer Ebene hat sich daran nichts verändert; Diskriminierungen haften so zäh wie die Gelassenheit im Umgang darüber. Doch medial werden die Fronten bewirtschaftet, als sei der Geschlechterkampf gerade neu erfunden.

Welches Aufmerksamkeitspotenzial im Thema steckt, zeigt der «Club», der zunächst eine reine Männerrunde (plus Moderatorin), dann eine reine Frauenrunde darüber referieren liess. Statt zum üblichen Gähnreiz reizten die Sendungen zu medial weiterverbreiteten Polemiken, wie daneben sich die gockelhaften Teilnehmer beziehungsweise wie un- oder überemanzipiert sich die Teilnehmerinnen der nächtlichen Diskussionsrunden verhalten hätten.

Zum grossen medialen Showdown bereitet sich nun der Recherche-Desk der Tamedia vor. Mittels Umfrage bei 3000 Journalisten beiden Geschlechts wird nach sexuellen Belästigungen während der Arbeit und darüber hinaus gefragt. Dies mit der unterschwellig höflichen Bitte, doch endlich jene handfesten Skandale zu offenbaren, nach denen einzelne Journalisten nach dem Ausbruch des globalen #MeToo-Virus mit zunehmender Verzweiflung in den heimischen Gefilden fahnden.

Die Aufmerksamkeit wird der zu erwartenden Geschichte – losgelöst vom Gehalt der Erkenntnisse – gewiss sein. Doch Aufmerksamkeit ist ein Gut mit schnellem Verfalldatum. Die mediale Aufregung wird sich legen. Ob sich dann das Mass der Diskriminierung verringert haben wird, ist eine andere Frage.

christian.mensch@schweizamwochenende.ch

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