Es ist leider bezeichnend, dass es einen politischen Vorstoss braucht, damit der Stadtrat Klarheit zum Skandal um die unbewilligte Videoüberwachung der Cordulapassage schafft, der im Juli publik wurde. Warum die Regierung der Stadt Baden nicht längst von sich aus an die Öffentlichkeit ging und nicht von sich aus erklärte, man werde das Geschehene aufarbeiten und die Ergebnisse präsentieren, bleibt ihr Geheimnis. Es wäre eine Chance gewesen, den Bürgerinnen und Bürgern das Gefühl zurückzugeben, dass ihre Privatsphäre ernst genommen wird. Ja, Videoüberwachung kann unter Umständen sinnvoll sein. Was aber nicht passieren darf: dass sie ohne Bewilligung durchgeführt wird, geht es doch bei der Privatsphäre um ein von der Verfassung geschütztes Grundrecht.

Fehler können passieren. Doch dann entschuldigt man sich dafür. Auch das hält der Stadtrat bis heute für unnötig: Dabei hätte er mit einer ehrlichen Entschuldigung zumindest teilweise Wiedergutmachung leisten können. Zwar erwähnt der Stadtammann nun das Wort «bedauern» in einem Statement, das er auf Anfrage abgibt. Allerdings bedauert er nicht etwa die unerlaubte Überwachung der Bürger seiner Stadt, sondern das «unkoordinierte Vorgehen». Diese Aussage raubt der Beteuerung, die Privatsphäre der Einwohner sei dem Stadtrat wichtig, einiges an Glaubwürdigkeit. Daran ändert auch das nachträgliche und zu späte Einholen der Bewilligung nichts.