Aus den eigenen vier Wänden aus- und ins Altersheim einzuziehen, ist ein grosser Schritt. Die Veränderungen sind enorm. Es versteht sich von selbst, dass viele den Umzug in ein Heim so lange dies der Gesundheitszustand einigermassen zulässt so weit wie möglich hinauszögern. Wer will schon nicht den Lebensabend im eigenen Zuhause verbringen?

In der Regel geht dies aber ab einem gewissen Zeitpunkt nicht ohne die Hilfe der Angehörigen. Sie unterstützen, wo es nicht mehr geht und versuchen, die Betreuung so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. Die Arbeit von pflegenden Angehörigen ist ein sehr wichtiger Beitrag für die Gesellschaft und deckt einen erheblichen Teil der Gesundheitsversorgung ab.

Allerdings ist die Vereinbarkeit der Betreuung von Angehörigen und Erwerbstätigkeit oft schwierig. Viele stossen dabei an ihre Grenzen – zeitlich, aber auch physisch oder psychisch. Um ihren Eltern oder Geschwistern dennoch das ungeliebte Heim oder die tägliche Spitexbetreuung zu ersparen, greifen – bis jetzt zum Glück noch wenige – auf die Videoüberwachung der Wohnungen zurück. Dank dieser – so die eigentlich gutgemeinte Absicht – können diese weiterhin ein selbstbestimmtes Leben in ihrer Wohnung verbringen. Via Smartphone lässt sich überprüfen, ob alles in Ordnung ist. Und das alles in Echtzeit!

Echt jetzt? Es gibt Argumente für eine Videoüberwachung, und falls die kontrollierte Person einwilligt, ist es rechtlich auch möglich. Der Eingriff in die Privatsphäre ist jedoch erheblich. Ständig im Fokus einer Kamera zu leben menschenunwürdig. «Big Brother» lässt grüssen.
Hinzu kommt, dass mittels Videoüberwachung keine Sicherheit garantiert werden kann. Ein Notfall lässt sich zwar schnell erkennen, und man kann zeitnah Hilfe alarmieren. Den Notfall verhindern, das kann die Videoüberwachung nicht. Gerade dies sollte aber das Ziel sein. Wer deshalb die Sicherheit seiner Angehörigen im eigenen Zuhause gewährleisten will, muss auf eine enge Betreuung setzen.