Joseph Deiss ist ein angesehener Alt-Bundesrat. Eloquent, seriös im Auftritt und gewissenhaft: Als Verwaltungsratspräsident des Alstom-Industriekonzerns soll er bis zuletzt für die Schweizer Mitarbeitenden von Alstom gekämpft haben. Ohne Erfolg, denn es kam anders: 1300 Stellen will der neue amerikanische Besitzer General Electric GE in der Schweiz abbauen. Der Ex-Magistrat der CVPkonnte es nicht verhindern. «Warum nicht?»,wollten wir von Deiss wissen – und versuchten es via Telefon, SMS und E-Mail.

Hier das Protokoll der versuchten Kontaktaufnahme: Die Anrufe nahm Deiss nicht entgegen, die SMS und Mails liess er unbeantwortet. Sogar der Weg über das CVP-Generalsekretariat blieb ohne Erfolg. Ebenso der Gang über die Alstom-Pressestelle. Deiss hüllte sich in eisernes Schweigen. Der Alstom-Sprecher verwies auf das neue Firmenkonstrukt und die Presseabteilung von GE in Deutschland. Und überhaupt, dass er seit der Übernahme durch die Amerikaner gar nicht mehr kommunikationsbefugt sei. In Deutschland aber war die Presseabteilung vor allem mit dem Alstom-Stellenabbau in Mannheim beschäftigt. Deiss werde sich zunächst nicht äussern, hiess es nur. Auch nach Tagen gab Joseph Deiss kein Lebenszeichen von sich. Doch er lebte: Das wurde klar, als der Alstom-Pressesprecher – pardon, Ex-Sprecher – einen Kollegen aus der Redaktion bat, auszurichten, man möge Herrn Deiss bitte nicht so oft anrufen. 

Pardon, Herr Deiss, weiss ein ehemaliger Wirtschaftsprofessor und Politiker nicht, wie auf eine SMS zu antworten? Nein, es ist schlimmer: Wie die «Schweiz am Sonntag» herausfand, bekam Alt-Bundesrat Deiss einen Maulkorb verpasst. Und zwar einen engen: Er durfte uns nicht einmal sagen, dass er nichts sagen darf.