Kommentar

Job-Kahlschlag: Roche ist in «bester Gesellschaft»

Blisterfolien mit Tamiflu-Kapseln von Roche im Verpackungsbetrieb in Kaiseraugst (Archiv)

Roche ist nicht der erste Pharmariese, der in der Nordwestschweiz Stellen streicht. Was aus Sicht des Unternehmens mit einer rein betriebswirtschaftlichen Optik sinnvoll erscheinen mag, ist aus wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Sicht bedenklich. Der Kommentar

Schon wieder ein Stellenabbau in der Pharmaindustrie, schon wieder in der Nordwestschweiz. Erneut sind Mitarbeiter mit eher geringen Qualifikationen betroffen. So war es bereits, als Novartis im Mai bekannt gab, 500 Arbeitsplätze zu streichen – und gleichzeitig 350 aufzubauen. Roche befindet sich in «bester Gesellschaft» mit anderen grossen Konzernen in der Schweiz. Weitherum werden in der Industrie, aber auch im Dienstleistungssektor Aufgaben ins Ausland verlagert, die weder eine (höhere) Berufsbildung noch einen Uniabschluss benötigen. Solche Arbeiten können anderswo ähnlich gut und vor allem viel günstiger erledigt werden.

Was aus Sicht des Unternehmens mit einer rein betriebswirtschaftlichen Optik sinnvoll erscheinen mag, ist aus wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Sicht bedenklich. Ganz offensichtlich wird es für Menschen mit einer geringen Berufsbildung mittel- bis langfristig schwieriger, eine Stelle zu besetzen. Um bis zur Pensionierung durchzuhalten, wären lebenslanges Lernen und Weiterbildung gefragt. Doch dazu fehlen vielen die finanziellen Mittel oder die Zeit. So gesehen, sind die Besserqualifizierten im Vorteil, da sie sich eine Weiterbildung eher leisten können und Entwicklungen, die ihre berufliche Zukunft betreffen, besser vorwegnehmen können.

Nicht nur die Angestellten stehen in der Pflicht, sich ständig weiterzubilden. Auch die Topmanager dürfen sich nicht damit begnügen, in Sonntagsreden soziale Verantwortung zu predigen. Die Herren (und Damen) in der Teppichetage müssen ihre Verantwortung auch tatsächlich wahrnehmen. Die Unternehmen stehen in der Pflicht, ihre Mitarbeiter weiterzubilden und ihnen in diesem rasanten Wandel der Berufswelt beizustehen. Sonst gefährden sie den sozialen Frieden in unserem Land und letztlich auch die Qualität des Standorts Schweiz.

andreas.moeckli@azmedien.ch

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