Kolumne

Jetzt kann der Winter kommen: Zarte Winterhaut dank den Tipps vom Dermatologen

Felix Bertram schwört auf Mandelmilch und Keimöl für ein richtiges Winterbad.zvg

Felix Bertram schwört auf Mandelmilch und Keimöl für ein richtiges Winterbad.zvg

Der Aarauer Dermatologe Felix Bertram schreibt in seiner Kolumne darüber, wie man auch im Winter geschmeidig schöne Lippen und Hände haben kann – und wie man Stress mit der Haut vermeidet.

Diese wunderschöne, in der Herbstsonne glänzende Naturfarbenpracht, die im morgendlichen Aargau gerne unter einer Nebeldecke versteckt bleibt, um dann gegen Mittag umso schöner zu erleuchten. Was hatten wir dieses Jahr einen wunderbar goldigen Herbst – man war irgendwie schon auf Winter eingestellt, als die Sonne nochmals ein Gastspiel gab. Dies darf uns aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es nun unweigerlich kälter wird und dies zeigt sich dann auch an des Menschen grösstem Organ: der Haut!

Eine durchschnittliche Aussentemperatur von unter 8 Grad müssen Sie zukünftig nicht mehr am Thermometer ablesen – Ihre spröden Lippen werden es auch verraten. Ab 8 Grad und tiefer stellen die Talgdrüsen der Haut ihre Funktion ein und sie fängt an, spürbar trocken zu werden. Da Lippen und Hände wenig bis keine Talgdrüsen besitzen, beginnt hier das Dilemma als erstes.

Um auch im Winter geschmeidig schöne Lippen zu haben, sollten Sie die richtige Pflege anwenden. Weniger ist mehr – daher empfehle ich gereinigte Vaseline, die in jeder Apotheke erhältlich ist. Auch fertige Lippenbalsame sind gut, sollten aber keine Mineralöle enthalten. Mineralöle geben den Lippen zunächst ein gutes und weiches Gefühl, in Wahrheit legen sie sich aber nur wie eine Frischhaltefolie auf die Haut und verhindern einen angemessenen Wasseraustausch. Dieser Effekt führt dann teilweise zu dem bekannten Lippenbalsam-Abhängigkeitsverhältnis. Man benötigt immer mehr und immer häufiger.

Bei den Händen habe Sie – im Gegensatz zu den Lippen – die Möglichkeit, sie warm zu halten, weshalb der Gebrauch von Handschuhen im Freien absolut sinnvoll ist. Zusätzlich empfehle ich eine gute und schnell einziehende Handcreme mit Harnstoff. Der Trick bei der Handcreme ist, immer nur eine Messerspitze zu verwenden, dafür aber mehrfach täglich – gut verrieben ist sie in Sekunden eingezogen. Die meisten machen den Fehler, eine viel zu grosse Menge zu verwenden. Folge: Die Hände sind schmierig und fettig und ich mag kein Papier mehr anfassen und keine Hand mehr geben, bis die ganze Schmiere nach 30 Minuten eingezogen ist. Führt dazu, dass man relativ bald keine Lust mehr hat, diesem Ritual zu folgen.

Das doppelte Dilemma im Winter besteht darin, dass nicht nur die Aussentemperaturen tief sind, sondern auch die Luft im häuslichen Umfeld durch Heizungen ausgetrocknet. Doppelter Stress für die Haut.

Abhilfe verschaffe ich mir durch die Anschaffung eines Raumbefeuchters. Wer es traditioneller möchte, der lege einfach feuchte Badetücher auf die Radiatoren.

Was gibt es im Winter schöneres, als abends ein warmes Bad einzulassen, Kerzen anzünden und ein Glas Rotwein einzuschenken. Herrlich! Nur leider ist es so, dass Wasser, Badezusätze, Duschgele und Seifen alle dazu beitragen, dass die so wichtige Lipidschicht der Haut ausgewaschen und ausgedünnt wird. Wer dennoch nicht auf sein Bad verzichten möchte – und ich kann es nur allzu gut verstehen – der möge sich zumindest auf den konventionellen Badezusatz verzichten und folgende Zutaten eingeben: 1 Liter Mandelmilch, 100 ml Weizenkeimöl und 2 Esslöffel Argan- oder Jojobaöl.

Das «Bertramsche» Winterbad macht die Haut zart! Nach dem Bad sollte man unbedingt eine Bodylotion mit 10% Urea einstreichen. Auch hier gilt dasselbe wie bei der Handcreme: Nicht zuviel, es sollte rasch einziehen. Für das Gesicht eignen sich nach einem Bad oder im häuslichen Umfeld eine leichte Creme mit Hyaluronsäure. Wer ins Freie tritt, fährt mit einer reichhaltigen Gesichtscreme besser. Gute Pflegekonzepte arbeiten nicht mehr mit Tages- und Nachtcremes, sondern bieten verschiedene Reichhaltigkeitsstufen an, damit jeder Hauttyp die optimale Pflege erhält.

Nun kann der Winter aber kommen – die Aargauer Häute sind bestens vorbereitet!

Neben der Haut aber nicht die Seele vergessen! Ein feines Fondue mit Freunden, warm eingepackt einen Spaziergang durch die wunderschöne Aargauer Natur oder eine Runde Sport, um den Kreislauf wieder richtig in Schwung zu bringen. Für die anschliessende Dusche noch einen letzten Tipp: Nicht zu lange duschen und ein Duschöl oder Hautwaschöl verwenden. So, jetzt kann der Winter aber kommen.

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