Mit einem von tiefer Verzweiflung geprägten Appell hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Wochenende die Konfliktparteien in Syrien zu einer «bedingungslosen Deeskalation der Gewalt» aufgerufen. Eine politische Lösung sei «der einzige Weg, um die Ausdehnung des Konfliktes über die Landesgrenzen hinweg zu verhindern». Das klingt so weit gut. Realisierbar ist es nicht, weil die Konfliktparteien im Kampf um die Neuordnung von Syrien keinerlei Kompromissbereitschaft signalisieren. Fast jeder spielt mit gezinkten Karten. Die Bekämpfung des sogenannten «Islamischen Staates» (IS) wird oft nur vorgeschoben, um geostrategische Vorteile der Gegenpartei zu verhindern. Dass auch Israel bei diesem neuen «Great Game» offensiv agiert, ist verständlich. Schliesslich hat es der Erzfeind Iran geschafft, sich in Syrien festzusetzen und das Assad-Regime nachhaltig zu stabilisieren.

Auch nach dem Abschuss einer F-16 dürfte Israel seine Luftangriffe auf syrische und iranische Stellungen fortsetzen. Vertreiben lassen wird sich der Iran dadurch aus dem Bürgerkriegsland aber nicht. Mit jedem Angriff wächst die Gefahr einer erneuten Eskalation. Da die USA mit dem Iran keine diplomatischen Beziehungen pflegen und Israel den Rücken stärken, kommt nur noch Russland als Schlichter zwischen Teheran und Jerusalem infrage. Obwohl selbst Konfliktpartei in Syrien, ist Moskau jetzt gefordert. Im Gegensatz zu den in Syrien gescheiterten Emissären der Vereinten Nationen ist Russland in der Lage, in direkten Gesprächen mit dem Iran und Israel eine Deeskalation zu bewirken.