Eine erste Ohrfeige erlebe ich wieder gleich im Einwanderungsbüro: «Sie müssen einen Test machen», erklärt mir die Dame. Es ist ihr peinlich, ich sehe das. Sie versucht eine Versöhnung: «Aber einen Sprachtest brauchen Sie nicht zu machen bei dem Land, aus dem Sie kommen.» Ihr Blick schwenkt zurück zu meinem Pass.

Ich bin Literaturredaktorin, also Sprachexpertin. Und: Ich arbeite in einer demokratiebildenden Institution. Rund zwanzig Jahre Schulbildung bis zum Uniabschluss liegen hinter mir – das sind mehr Bildungsjahre, als die meisten Schweizer vorweisen können. Und meine Schulbildung ist genauso ur-schweizerisch wie das Land, aus dem ich komme: Ich bin hier geboren.

Nicht dass ich etwas dagegen hätte, dass Stimmbürger ihre Befähigung zur Demokratie ansatzweise nachweisen müssten. Im Gegenteil. Wäre es so, bliebe der Welt wahrscheinlich das Trump-Desaster erspart. Aber wenn schon, dann bitte ALLE – ist das nicht eine der Voraussetzungen von Rechtsstaat und Demokratie?