In Zürich wird es bald keine öffentlichen Pissoirs mehr geben. Für den 270 Seiten starken Masterplan WC sind die vier Pissoiranlagen auf öffentlichem Grund Institutionen «aus einer andern Zeit». Neue Pissoirs soll es «aus Gleichstellungsgründen» nicht mehr geben. Sprich: Ein Pissoir diskriminiert Frauen. Weil Frauen nicht stehend pinkeln können, das heisst, sie könnten, indem sie sich einen Trichter vorschnallen, wie er bei gewissen Musikfestivals verteilt wird. Ja, das gibt es!

«J’aimerais pisser debout heisst übrigens ein erfolgreiches französisches Chanson. Gut, nicht alle Frauen wollen das, ich glaube sogar, den meisten ist das egal. Aber heute ist es ja so, dass wenn sich eine ganz kleine Minderheit diskriminiert fühlt, gleich die ganze Welt auf den Kopf gestellt wird. Weil es offenbar Frauen geben soll – ich kenne keine –, die sich durch die reine Existenz der Pissoirs benachteiligt fühlen, sollen künftig in Zürich also alle Männer benachteiligt werden.

Nach dem Trotzkopf-Prinzip: Wenn ich nicht darf, dann soll auch er nicht dürfen. Wo doch das Problem ohne weltanschauliche Hysterie gelöst werden könnte: Es gibt einfach zu wenig öffentliche WCs für Frauen. Und in allen Stadien, Theatern und anderen Institutionen zu wenig abschliessbare WCs für Frauen. Das ist der wahre Skandal. Es müssen nicht weniger Pissoirs gebaut werden, sondern mehr WCs für Frauen. Punktum.

Weg mit dem binären Denken in der Geschlechterfrage

Aber nein, künftig sollen alle WCs «genderneutral» werden, weil das binäre Denken in der Geschlechterfrage langfristig eh ausgerottet werden soll. Dahin geht doch die Reise! In Amerika gibts tatsächlich den Slogan «Männlich/weiblich ist eine ärmliche Art, die Menschen zu kategorisieren».

Ärmlich, weil es nämlich nicht nur Männlein und Weiblein gibt, sondern noch viele andere Geschlechter: Transsexuelle und Asexuelle, Hermaphroditen und Menschen mit Meerjungfrauensyndrom. Von Letzteren gibts zwar nur 0,00000001 Prozent, das sind Menschen, die mit zusammengewachsenen Beinen und ohne Penis und ohne Vagina zur Welt kommen.

Gerade letzten Donnerstag hat Frankreichs Kassationshof die Forderung einer «Meerjungfrau», die inzwischen als Mann mit Frau und adoptiertem Kind lebt, abgeschmettert, im Pass in der Rubrik Geschlecht ein neutrales «Ohne» führen zu dürfen. Das Gericht findet, es sei ihm zuzumuten, als Mann ausgewiesen zu werden, weil er/es ja im Alltag auch in Männerkleidern herumgehe.

Überhaupt würde die Einführung eines «Ohne» das ganze Rechtssystem Frankreichs auf den Kopf stellen, das nun mal davon ausgeht, dass es Mann und Frau gibt. Doch die Meerjungfrau ist hartnäckig, ihr Anwalt will an die europäische Gerichtsbarkeit appellieren.

Nach Jahrmillionen Jahren ist alles anders

Aber kommen wir zu näherliegenden Fragen zurück: Nachdem unsere Frauen uns gelehrt haben, dass auch Männer sitzend pinkeln sollten, mit Plakätchen an der WC-Tür und anderen Erziehungsmitteln, weil wir stehend immer die Toilettenbrille nass machen, und weil dies auch gesünder sei, wie man in allen Frauenmagazinen nachlesen konnte, wollen jetzt Frauen, die seit zig Jahrmillionen Jahren sitzend oder in Kauerstellung gepinkelt haben, weil das ihrer Physionomie entspricht, aufstehen und auch stehend pinkeln. Bereits gibt es in Amerika und in England moderne Pissoirs mit weissen Schalen, die eine Auswuchtung nach vorne haben, in die auch die Frau sich breitbeinig stehend erleichtern kann. Das gibts, das kann man googeln!

Ausgerechnet jetzt ist zu meiner grossen Verwirrung eine neue Untersuchung herausgekommen, die nachweist, dass es zwar für jüngere Männer gut ist, im Sitzen zu pinkeln, für ältere hingegen eher besser, dies stehend zu verrichten. Pinkelten die Versuchskaninchen über sechzig nämlich sitzend, dann mussten sie kurz danach nochmals, stehend. Und zwar, weil sich in Sitzstellung die Blase nicht ganz geleert hat. Männer ab sechzig sollten stehend pinkeln, es sei besser, sagen die Wissenschafter. Von welcher Universität habe ich vergessen, aber es war eine bedeutende.

Das können wir jetzt unseren Frauen unter die Nase reiben. Und von unsern Politikern mit Recht fordern: Gebt uns das Pissoir zurück. Nous voulons pisser debout! Sonst werde ich mir ein privates Pissoir anschaffen. Ganz für mich, aus Protest!