Fahrländer

Ist der Aargau grün oder doch nicht?

Eine gerade mal vierminütige Zeremonie: Jean-Pierre Gallati wird als Regierungsrat vereidigt.

Eine gerade mal vierminütige Zeremonie: Jean-Pierre Gallati wird als Regierungsrat vereidigt.

«Der Aargau ist stark untervertreten.» Dies folgerte die «SonntagsZeitung» in einer Recherche «So gut vertritt der Bundesrat das Schweizer Volk». Zuerst habe ich gestutzt: Haben wir nicht eben zwölf Jahre mit einer erfolgreichen Doris Leuthard hinter uns?

Unsere Doris trug den Aargau auf die Weltbühne. Doch Zahlen lügen nicht. Das Blatt weist nach: Nimmt man den Zeitraum von 1848 bis heute, nimmt man ferner eine durchschnittliche Bundesrats-Amtszeit, gemessen in Tagen, nimmt man schliesslich die «Bundesrats-Berechtigung» der Kantone gemäss ihrer Bevölkerungszahl – dann belegt der Aargau mit einem Minus von mehr als 3000 Amtstagen den letzten Platz.

Im Klartext: Mehr Aargauer Bundesräte/innen braucht das Land! Wer ist der/die Nächste? Trägt sie vielleicht die Modefarbe Grün? Irène Kälin hat soeben die erste Sprosse auf dem Weg zur höchsten Schweizerin erklommen. Das ist doch schon mal ein Anfang.

Themenwechsel. Der Grosse Rat hat am Dienstag zum letzten Mal in diesem Jahr getagt. Dabei erlebte man als Premiere einen Amtsbeginn in einer Schlusssitzung. Die Vereidigung von Regierungsrat Jean-Pierre Gallati dauerte allerdings nur gerade vier Minuten, dann enteilte der Eingesetzte wieder. Wie lange dauert wohl die Zeremonie, wenn er in einer Woche als Nationalrat verabschiedet wird?

Im Übrigen hat der Rat auch in zweiter Lesung der Abschaffung der Schulpflegen zugestimmt. Doch das kommentiere ich nicht, das habe ich versprochen (okay, im Frühling, wenn die Volksabstimmung näher rückt, schauen wir wieder).

Dagegen möchte ich noch ein kleines Nebengeschäft kommentieren: Mit 62 zu 56 Stimmen hat der Rat ein Postulat der Grünen abgelehnt, welche eine «Fachstelle Klimawandel» einrichten wollten. Deren Aufgabe wäre es gewesen, die Umwelt- und Klima-Bemühungen innerhalb der Kantonsverwaltung, aber auch zwischen Kanton und Gemeinden zu koordinieren.

Ich bin ja total gegen symbolischen Aktivismus in der Klimafrage. Doch eine solche Stelle, um Anstrengungen zu bündeln, wäre sinnvoll gewesen. Eine Fachstelle für Altersfragen gibt es ja auch. Und eine für Pflegekinder. Und für Integration. Die grüne Welle ist offenbar noch nicht in der Kantonspolitik angekommen. Vielleicht in einem Jahr. Oder gar nie.

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