Heute habe ich ein grosses Anliegen, ich möchte nämlich gerne eine Verschwörungstheorie in die Welt setzen. Dazu bräuchte ich Ihre Hilfe, ich zahle Ihnen dafür eine Crèmeschnitte, wahlweise ein Jute-Dinkel-Hanf-Sandwich. In letzter Zeit hat sich mein Verdacht erhärtet, dass Ausserirdische mit der ernsthaften Invasion der Erde begonnen haben, und ich frage mich, warum der Alien-Vermarkter Erich von Däniken das noch nicht gemerkt und in ein Buch verpackt hat. Eine ausserirdische, nein sogar aussergalaktische Gesellschaft, ich nenne sie mal Cognauten, hat beim Vorbeifliegen an der Erde entdeckt, dass es da einen Planeten gibt, der von Schädlingen befallen ist, Parasiten mit Namen «Homo plusminus sapiens». Sofort haben sie erkannt, dass dieser Planet eine leichte Beute wäre, getreu nach dem Motto, ohne das Original zu kennen: Die Erde, das kleine Stachelschwein, nehmen wir beim Rückweg ein.

Sofort heckten sie einen Plan aus: Wir suchen bei uns die Dümmsten zusammen und richten sie möglichst humanoid her. Dann senden wir sie auf den kränklichen Planeten, lassen sie nach dem Munde des Volkes reden und unterstützen sie so lange, bis sie irgendwo in der Regierung landen, bestenfalls auf dem Präsidentensessel. Wenn es dann genug von ihnen geschafft haben, schlagen wir zu und sacken die Erde ein. Wir befreien sie von ihren Schädlingen, danach könnte sie uns als Ferienplanetchen dienen, die vorhandene Natur ist ja ganz passabel. Sie glaubten selber nicht, wie einfach es werden würde, diese Elite-Trottel-Truppe in verschiedenen Ländern einzuschleusen und schon rasch in die Regierungen zu bringen, oder gar ganz an die Spitze. Es klappte nicht immer auf Anhieb, in Holland und Frankreich konnten sie sich vorerst nur in Stellung bringen, ganz nach oben reichte es ihnen noch nicht, sie stehen aber schon Gewehr bei Fuss.

Was die Cognauten nicht wussten, sie hatten bei der Vorbereitung dieser Invasoren-Truppe alles einigermassen menschenähnlich hinbekommen. Bei einem Detail haben ihre Stylisten aber völlig versagt, bei der Frisur. Und das ist unsere Chance, sie zu identifizieren und zu eliminieren. Denken Sie jetzt ja nicht, dass mein Spott über Frisuren nur der Neid des Besitzlosen sei (ich weiss sehr wohl, dass mein Kopf so aussieht, als wäre darauf eine Frisur notgelandet). Ich versichere Ihnen, es geht mir nur um die Rettung unserer Erde. Einer der ersten Invasoren war in Italien ein Holzkopf, der sich Berlusconi nannte. Seine Frisur glich mehr einer mit Sekundenkleber montierten schwarzen Badekappe. Diese Kopfbedeckung gab es beim Billiganbieter im Doppelpack günstiger, deshalb nahm er zwei und verkaufte die zweite seinem Kollegen in der Türkei.

In afrikanischen und südamerikanischen Staaten kamen die Cognauten gut voran, in Europa und den USA harzte es noch, bis ... ja bis zum letzten und grössten Coup. Der trottelige alte Mann, den sie ohne viel Hoffnung in die USA geschickt hatten, kam genau im richtigen Moment, als sich die Amerikaner nach dümmlichen Macho-Sprüchen sehnten. Da konnte sogar die Frisur nichts verhindern, auch wenn sie nach Billig-Toupet aus dem Lidl aussieht, welches zusätzlich wegen Wasserschadens auf die Hälfte herabgesetzt wurde. Die Cognauten waren erleichtert, denn sie wussten, dass dieses orange Teil das Intelligenteste an dem ganzen Wesen war. Doch niemanden hat es gestört, auch wenn vorwiegend 360°-Panorama-Unsinn unter der Haarkonstruktion hervorbrabbelte.

Ein weiteres Meisterstück ist ihnen in Nordkorea gelungen. Nachdem sie bei Geert Wilders noch mit einem explodierten Rosshaar-Kissen experimentiert hatten, das sie blondierten, weil es ihnen selber peinlich war. Und auch Putin ist ja ein Mann, den man getrost fragen kann: Was ist eigentlich Ihr Coiffeur von Beruf? Aber in Nordkorea haben sie sich selbst übertroffen. Sie nahmen einfach einen leicht debilen Teenager und haben ihn mit Fastfood gemästet. Nun sieht er aus wie ein aufgepumptes Riesenbaby, welches seine Impotenz durch das Abschiessen von Phallus-Symbolen kompensiert. Seine Frisur hat sicher vor der Mästung perfekt gepasst, jetzt ist sie ihm drei Nummern zu klein geworden. Nun, der langen Rede kurzer Sinn: Ich bin fest überzeugt von meiner Theorie. Ich bitte Sie, diese einfach wild zu verbreiten, auch wenn Sie sie absoluten Schwachsinn finden.

Einfach mal global verbreiten, das wird klappen, denn die Wahrheit interessiert ja heute schon lange niemanden mehr.

Peach Weber: Der Kolumnist aus Hägglingen ist seit 40 Jahren Komiker und ab Herbst mit dem neuen Programm «iPeach» unterwegs. Abschiedsvorstellung: 15. Oktober 2027 im Hallenstadion.