Erziehung

Immerhin bleibt der Puls tief

Kindererziehung ist laut Katharina Saalfrank auch eine Zusammenarbeit. (Symbolbild)

Kindererziehung ist laut Katharina Saalfrank auch eine Zusammenarbeit. (Symbolbild)

Ex-Super-Nanny Katharina Saalfrank plädiert dafür, Strafen abzuschaffen. Sogar auf Drohungen sollen Eltern verzichten. Der Kommentar

Haben Sie kürzlich Ihrem Kind in der Verzweiflung gedroht, es dürfe nachher nicht gamen, wenn es jetzt nicht sofort und endlich sein Zimmer aufräume? Dann haben Sie Ihr Kind genötigt. Diesen Vergleich zur Justiz zieht jedenfalls die Pädagogin Katharina Saalfrank. Sie findet nicht nur Körperstrafen unangebracht, sondern eben auch das Androhen von Konsequenzen.

Jetzt soll Eltern also nicht mal mehr das erlaubt sein? Das mag viele Erziehungsberechtigte überfordern und sie könnten zum (noch schlimmeren) Liebesentzug greifen, weil sie das Gefühl haben, gar nicht mehr strafen zu dürfen. Und ebenfalls kontraproduktiv wäre es, wenn die Eltern vor lauter Verunsicherung ihre überzeugte Haltung aufgeben würden und für das Kind nur noch schwer greifbar wären.

Aber so hat Saalfrank das nicht gemeint. Ohne die Androhung (und Durchsetzung!) von Konsequenzen schaffen Eltern den Alltag oft nicht. Das weiss die ehemalige «Super Nanny». Doch sie zeigt einen inspirierenden Blickwechsel auf und Beispiele, wie man in einer vertrackten Situation besser reagieren und dem Kind statt einfach zu drohen eine Alternative oder eine Abmachung anbieten kann. Vielleicht hat sie recht, vielleicht tut ein Kind nie absichtlich etwas (oder nicht), um uns zu ärgern. Vielleicht kann es oft tatsächlich nicht anders. Wer wie Saalfrank überzeugt ist, dass Kinder prinzipiell mit uns zusammenarbeiten wollen und aus verschiedenen Gründen oft damit scheitern, bleibt gelassener. Selbst wenn Eltern am Ende doch kein anderer Ausweg als eine Drohung einfällt. Ein ruhiger Puls ist schon viel beim Anblick eines (noch immer!) chaotischen Zimmers.

sabine.kuster@azmedien.ch

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