EZB

Immer weniger «mehr»

EZB-Präsident Mario Draghi: Die Europäische Zentralbank wirft noch mehr Geld auf den Markt, um die Konjunktur anzukurbeln.

EZB-Präsident Mario Draghi: Die Europäische Zentralbank wirft noch mehr Geld auf den Markt, um die Konjunktur anzukurbeln.

Gelingt der EZB die Konjunkturbelebung, steigt der Euro - das wäre die beste Nachricht für die Schweizer Nationalbank. Doch was sich die Notenbanken auch noch einfallen lassen werden. Es wird mehr vom Gleichen sein - und immer weniger «mehr».

Der Euro wertete am Donnerstag nach der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) zunächst ab, festigte sich dann aber wieder über 1.10 Franken. Die Märkte hatten keine so massive Aufstockung der monatlichen Wertschriftenkäufe erwartet, mit denen die EZB Euros in die Märkte pumpt.

Das spricht gegen eine Erstarkung, weil die neue Euroflut zu klein wäre. Näher läge, dass die Massnahmen das Vertrauen in die Erholung bestärkt haben. Sollte sich der Aufschwung festigen – davon zeigte sich Draghi überzeugt –, stärkt das den Euro. Das wäre die beste Nachricht für die Schweizerische Nationalbank (SNB). Die nächsten Monate werden hier mehr Klarheit schaffen.

Es gibt einen weiteren Lichtblick für die SNB: Hätte die EZB auf eine starke Zinssenkung gesetzt, um die Märkte zu überzeugen statt auf ihr Kaufprogramm, wäre ein Nachziehen der SNB in einer Woche wohl unumgänglich, um die abschreckende Wirkung der Negativzinsen für Anlagen in Franken zu wahren. Doch eine Senkung der Zinsen von derzeit -0,75 Prozent könnte das Geschäftsmodell der Banken erodieren lassen. Irgendwann ziehen die Sparer das Geld ab. SNB-Präsident Thomas Jordan wies selbst auf diese Gefahr hin.

Nun hat auch Draghi erklärt, dass sich wegen diesem Risiko der Fokus auf «andere Massnahmen» verschiebe. Viel mehr als Wertschriftenkäufe gibt es davon aber nicht mehr. Deren Ausdehnungen werden immer kleiner ausfallen, das Volumen der Wertschriften am Markt ist begrenzt. Was sich die Notenbanken auch noch einfallen lassen werden. Es wird mehr vom Gleichen sein - und immer weniger «mehr».

 tommaso.manzin@azmedien.ch

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