Sprachriff

Im Lebensnebel nie aufhören, zu spielen

Leben im Nebel - Yverdon Expo 2002. Foto: MAD.

Leben im Nebel - Yverdon Expo 2002. Foto: MAD.

Aus dem «Leben» wird «Nebel», in umgekehrter Buchstabenfolge gelesen – ein sogenanntes Palindrom. Ein Wortpalindrom ergibt sogar die gleiche Bedeutung, «rückwärts» gelesen. Etwa das «Reittier» oder der «Rentner»; sozusagen ein im Lebensnebel zu lang sich drehendes Reit- und Lastentier. Und schon gewänne man achtlosen Sprachspielen etwas philosophische Poesie ab. Wo immer Sprache spielt, funkelt bald auch das Bewusstsein.

Spielen wir ein wenig weiter, indem wir etwa in einem Wort nur einen Buchstaben ändern: Hund -› Bund. Morgen -› Sorgen. Kurz -› Furz (lachen Sie nicht, das ist Wahrheit, die nachgerade vielen stinkt: Alles Kurzsinnige in Gedanke und Sprache ist ein Furz). Wonne -› Tonne -› Sonne. Kabel -› Gabel. Gabe -› Rabe. Katze -› Tatze. Oder Kind -› Kund ... okay, das ist unsauber, schliesslich heisst es Kunde. Im Dialekt funktioniert’s: Chind -› Chund. Das schärft beiläufig das Gehör: Achten Sie mal darauf, wie es klingt, wenn sie als «Kunde» angemacht werden – zu oft schwingt Herablassung mit, und es tönt/höhnt wie «Kind».

Leider mangelt es dem Kommerz stets an Poesie. Was wäre damit? Kosmisch -› komisch. Das führt zurück zum Nebel des Lebens: Wie oft fühlt sich jemand unter Sternen weit, gross, kosmisch – öffnet den Mund und ist ab sofort nur noch komisch.

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