Ich suche einen Mann mit Geld, ohne Geschenke läuft bei mir nichts. Das jedenfalls unterstellt man mir. «Sehr frauentypisch» sei das, kommentierte jemand unter meine letzte Kolumne. Ich schrieb darin über die Freuden eines guten Flirts – und dass mich ein Mann mit einem offerierten Glas Wein durchaus glücklich machen kann.

Deutet das bereits auf ein Beuteschema hin?

Noch nie lud ich einen Mann zum Essen ein

Geht es um Fragen zu Liebe, Sex und Geschlechterrollen, fühlt sich der eine oder andere Vertreter des «starken Geschlechts» noch immer berufen, den Frauen die Welt zu erklären. Auf Facebook und in Kommentarspalten sehnt er ein Paarungsverhalten herbei, das an den Plot von Arztromanen erinnert: Wir (Männer) geben euch (Frauen), um etwas (Sex) zu bekommen. Frauen würden nach den materiellen Aufmerksamkeiten von Männern ja regelrecht lechzen. Und das, obwohl sie die Gleichberechtigung fordern!

Was ist dran an dieser antiquierten Haltung? Ich frage mich, ob ich je einen mir unbekannten Mann zu einem Drink einlud. Die Antwort: noch nie. Ob ich je einen Mann beim ersten Date zum Essen einlud: auch noch nie. Ob ich je das Gefühl hatte, einem Mann nach einem spendierten Drink meine Handynummer, nach einer Einladung zum Abendessen ein zweites Date, ja vielleicht sogar körperliche Nähe zu schulden: immer.

Das nächste Mal probiere ich es aus! 

Ertappt. Warum tue ich diese rollenspezifischen Dinge, die ich längst überwunden zu haben glaubte?

Weil ich manchmal unsicher bin. Weil ich mich lieber an einem Raster bekannter Regeln entlanghangle als mit allzu progressivem Verhalten Männer bereits bei der ersten Begegnung in die Flucht zu schlagen. Auf die Frage «Darf ich dich auf ein Glas Wein einladen?» klingt «Oh, gerne, wie lieb von dir» einfach entspannter als «Lieber möchte ich dich einladen, denn wir haben 2018 und ich verdiene jetzt fast gleich viel wie du». Ob ich es das nächste Mal einfach doch ausprobiere?

An dieser Stelle Dank dem anonymen Leser, der mit seinem Kommentar den Anstoss zu dieser Kolumne gab. Vielleicht werden Männer wie er ja bald schreiben: «Ich mag es, eine Frau auf ein Glas Wein einzuladen. Und ich mag es genauso, wenn die Frau bezahlt.»

Ich würde diesen Männern dann vielleicht sogar meine Handynummer geben.