«Der gerechte Lohn» ist das Thema des «NZZ Folio», das nach Ostern der NZZ beigelegt ist. Der Beilage beigelegt ist wiederum die Beilage «Zeit über Geld zu reden». Das erste Heft stammt von der Redaktion, das zweite von der Bank Cler. Die Abteilung Content Solutions der NZZ hatte für den reibungsfreien Übergang des einen zum anderen gesorgt.

Der «Fit», so die Marketingsprache, ist perfekt: Die Markenpflege der zu Cler umbenannten Bank Coop entspricht exakt dem journalistischen Konzept des «NZZ Folio». Die Bank profitiert vom Imagetransfer, das «NZZ Folio» von einem finanziellen Zustupf, der nicht nur eine Übersetzung für italienische und französische Ausgaben, sondern auch einen Gratisdownload zulässt.

Mit einem selektiven Download lockt auch das Onlinemedium Republik.ch. Beiträge, die sonst strikt hinter der Zahlschranke gehalten werden, durchbrechen diese und werden gratis angeboten, wenn sie «Ihnen von einem der über 18'000 Verlegerinnen oder Verleger geschenkt» werden, wie die beschenkten Leser belehrt werden.

Die Reihe der bezahlten journalistischen Inhalte lässt sich spielend fortsetzen. Sei es mit dem «Red Bulletin», das monatlich der «SonntagsZeitung» beiliegt. Sei es mit Wissenschaftsseiten, die von einer Stiftung gesponsert werden und wie sie teilweise auch in diesem Zeitungsverbund zu lesen sind.

Die Auswahl der Beispiele zeigt: Es geht nicht um die alte Klage, dass kommerzielle und andere Interessen den freien Journalismus unterlaufen würden. Die Reihe könnte zu österlichen Zeiten aber die Leserinnen und Leser darauf sensibilisieren, genauer hinzuschauen, wer einem welche journalistischen Eier ins Nest gelegt hat. «Geschenkter Journalismus», wie ihn die Republik.ch explizit propagiert, ist eine nette Marketingidee. Selbst bezahlter Journalismus wäre ein Bekenntnis.