Das Schuljahr hat begonnen, im Aargau traditionsgemäss mit einem Auftritt von Bildungsdirektor Alex Hürzeler. Seit Wochen habe ich mich auf die Schlagzeile gefreut, die jedes Jahr zuverlässig erscheint: Jede Klasse hat wieder einen Lehrer. Und ich wurde nicht enttäuscht. Da war sie wieder, im Dienstagsblatt: «Geschafft: Vor jeder Klasse steht rechtzeitig eine Lehrperson.» Es war dieses Jahr ganz besonders schwer. Aber es ist geschafft. Nächstes Jahr wird es noch schwerer werden. Aber es wird sicher wieder geschafft werden.

Für die Führungstroika des Bildungsdepartements ist dieses jährliche «Geschafft» wie eine bestandene Klassenarbeit. Die Schlagzeile kontrastiert indes seltsam mit dem öffentlich
bekannten Befund des dramatisch steigenden Lehrermangels. Die Auflösung des Widerspruchs liegt in unerfreulichen Fakten: zusammengelegte Klassen, Lehrkräfte mit ungenügender Qualifikation, viele Provisorien und zerstückelte Teilpensen. «Mühsam zusammengepflasterter Lehrkörper» tönt etwas despektierlich, trifft aber die Realität mancherorts nicht schlecht. So kann zum Beispiel das politisch gewollte Modell der integrativen Schulung nur ungenügend gelebt werden, weil Heilpädagoginnen fehlen. Wenn es nicht bald gelingt, wieder mehr Lehrer ins Klassenzimmer zu bringen (die männliche Form ist hier bewusst gewählt), dann steht die Schule Aargau vor einer unangenehmen Situation, für die das Modewort «Herausforderung» nicht mehr genügt.

Ansonsten gibt es im Schuljahr 2019/2020 wenig Neues. Das ist neu. In letzter Zeit gab es immer viel Neues. Dafür wird in den nächsten Jahren fast alles neu: Lehrplan 21, neue Führungsstrukturen (vielleicht), Lehrerlohnsystem (höchste Zeit), neue Verteilung der Berufsschulen, neue Gymnasien.

Und zum Schluss noch dies: Laut Pisa-Studie sind unsere Jugendlichen nicht so gut in Sprache, dafür aber spitze in Mathematik. Kürzlich wurden nun die Ergebnisse der durch die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) veranlassten «Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen» (ÜGK) publiziert. Gemäss ÜGK sind unsere Jugendlichen nicht so gut in Mathematik, dafür spitze in Sprache. Ja was jetzt? Vielleicht sollten wir etwas mehr Energie ins Anwerben guter Lehrkräfte statt in Leistungstests investieren.