Ein Chefarzt im Kantonsspital Aarau (KSA) manipuliert innert zweier Jahre über 500 Abrechnungen. Während eine Kassiererin beim Griff in die Kasse fristlos entlassen würde, haben die Tricksereien für den Mediziner keine schwerwiegenden Konsequenzen. Er arbeitet jedenfalls weiter beim KSA. Drei Instanzen haben den Revisionsbericht gesehen, welcher den fehlbaren Arzt überführt: die Spitalleitung, der Verwaltungsrat sowie das zuständige Departement Gesundheit und Soziales (DGS). Doch alle spielen den Fall herunter.

Besonders stossend: Der Öffentlichkeit wurde bisher nur die halbe Wahrheit gesagt. Zuerst verschwieg die Spitalleitung, dass es mehr als einen Manipulationsfall gibt, dann hat sie gegenüber dem Regierungsrat systematische Manipulationen verneint. Der Regierungsrat hat diese Version in der Beantwortung eines Vorstosses übernommen, obwohl der externe Revisionsbericht explizit zu einem anderen Schluss kommt.

Spezialisierte Top-Ärzte tragen viel Verantwortung; entsprechend gut sollen sie verdienen. Unantastbare Halbgötter, die sich einfach bedienen können, sind sie deshalb aber nicht. Das ist nicht nur aus Sicht der Steuerzahler ein Affront, sondern auch ungerecht gegenüber den ehrlichen Arztkollegen.

Die Manipulationen müssen nochmals gründlich aufgearbeitet und die Konsequenzen daraus gezogen werden. Mehr Transparenz bei Arztlöhnen wäre ein Anfang. Der Kanton und damit die Öffentlichkeit darf sich als Eigner des Spitals nicht länger vorführen lassen.

 rolf.cavalli@azmedien.ch