Kommentar

Hohe Löhne machen nett

Den Angestellten der Schweiz blieb im vergangenen Jahr 1,1 Prozent mehr im Portemonnaie. Die Löhne stiegen um 0,7 Prozent. (Symbolbild)

Den Angestellten der Schweiz blieb im vergangenen Jahr 1,1 Prozent mehr im Portemonnaie. Die Löhne stiegen um 0,7 Prozent. (Symbolbild)

Niklaus Vontobel zur Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik.

Brutto 6502 Franken pro Monat soll der Medianlohn in der Schweiz sein. Jeder zweite Schweizer verdient also mehr als diese 6502 Franken. Das hat das Bundesamt für Statistik in seiner Lohnstrukturerhebung festgestellt. Immerhin 1,7 Millionen aus 37'000 Unternehmen haben daran teilgenommen. Dennoch stösst diese Zahl in Online-Diskussionsforen vor allem auf Unverständnis.

Da heisst es dann, man wisse nicht, wo dieser Median gemessen worden ist, im eigenen Umfeld jedenfalls nicht. Ob die Erhebung nur unter Bankern gemacht worden sei – und Ähnliches in zig Varianten. Es will den Statistikern keiner so recht glauben. Das mag daran liegen, dass solche Zahlen mit der Selbstwahrnehmung kollidieren. In Tests zeigt sich oft, dass deutlich über die Hälfte aller Befragten den eigenen Lohn als überdurchschnittlich einschätzen. Oder auch nur daran, dass jene Schweizer mit Löhnen über 6502 Franken in den Online-Foren vornehme Zurückhaltung üben.

Gewerkschaften, Arbeitgeber und das Staatssekretariat hingegen waren auffällig einig in der Deutung der neuen Zahlen. Man freute sich darüber, dass gerade die unteren 10 Prozent der Lohnverdiener zulegen konnten. Dass deutsche Verhältnisse mit 1-Euro-Löhnen sich nicht verbreitet haben. Dass die Ungleichheit bei den Löhnen im Gegenteil sogar zurückging. In der Schweiz ist man nett zueinander. Ob das so bliebe, wenn die Löhne einmal lange stagnieren oder gar sinken, das weiss man auch nach der Finanzkrise nicht. Dafür ist die Schweiz trotz der Schwäche des Euros zu gut davongekommen.

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