Nachdem Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden war, durfte man hoffen, dass es aussenpolitisch gar nicht so schlecht kommt. Drei Stimmen der Vernunft hatte er auf Schlüsselpositionen gesetzt: James Mattis ins Verteidigungsministerium, wenig später übernahm Rex Tillerson das Aussenministerium. Als dann auch noch H. R. McMaster Nationaler Sicherheitsberater wurde, schien ausgemacht: diese drei werden den irrlichternden Präsidenten in Sachen Aussenpolitik schon bändigen.

Die provokante Rhetorik Trumps in Richtung Nordkoreas gefährlichem Diktator war ein Hinweis, dass sich der Präsident nicht einfangen lässt. Am Mittwoch hat er nun Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Damit ist jegliche Hoffnung, dass Trump nur ein wenig herumpoltert, aber die wichtigen Entscheidungen den fähigen Leuten überlässt, dahin. Trump benimmt sich auf dem internationalen Parkett wie eine Abrissbirne im Porzellanladen. Denn auch wenn Jerusalem bereits Israels Polit-Institutionen beherbergt und damit De-facto- Hauptstadt ist, geht dieser Schritt weit über das «Anerkennen der Realität», wie Trump sagt, hinaus. Nahost-Politik ist etwas komplexer als Immobilien in New York zu verscherbeln. Doch darauf nimmt Trump keine Rücksicht. Stattdessen bringt der US-Präsident die instabilste Region der Welt noch stärker ins Wanken.

Trumps Präsidentschaft bedeutet, dass wir auf die «Vernunft» von Anführern vom Schlage eines Kim Jong Un und Hamas-Chefs Hanija hoffen müssen. Dass die jedoch weise genug sind, die Welt nicht in Flammen aufgehen zu lassen, ist eine gewagte Wette.

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Erneute Eskalation im Nahen Osten: