Der Schweizer Festivalsommer steht an und die Besucher müssen sich wegen verschärfter Sicherheitskontrollen auf längere Wartezeiten vor den Zugängen gefasst machen. Doch selbst wenn die Konzertgelände damit sicherer werden, geschützt vor terroristischen Angriffen sind die Konzertbesucher damit noch lange nicht. Das Problem verlagert sich nur nach draussen, in die Warteräume. Denn wo wir Menschen uns in Massen bewegen, sind wir weiche Ziele.

Seit den Pariser Terroranschlägen von 2015 erlebt Europa eine Serie terroristischer Angriffe auf fröhliches Partyvolk. Es ist deshalb gerade sehr en vogue, das Beispiel Israel genauer anzusehen und israelische Sicherheitsexperten um Tipps für Europa zu bitten, wie es sich besser vor Terroranschlägen schützen kann. Denn die Israelis mussten längst mit der ständigen Gefahr vor Angriffen leben lernen.

Doch die gut gemeinten Tipps helfen nicht weiter. Auch wenn die jüngste Terrorserie in Grossbritannien den Anschein weckt, das Risiko für uns Europäer, bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen, sei gerade besonders hoch: Der Vergleich mit Israel hinkt. Die Gefährdung Europas bleibt weit hinter derjenigen Israels zurück. Der jüdische Staat liegt nicht nur im Fadenkreuz islamistischer Terroristen, seine Existenz wird von arabischen Staaten infrage gestellt. Seine Exponiertheit deshalb mit jener Europas zu vergleichen, entbehrt nur schon allein mit Blick auf die geopolitischen Unterschiede jeglicher Grundlage. Und damit ist Israels Verteidigungs- und Expansionsstrategie noch nicht einmal angesprochen, die den Hass in den besetzten Palästinensergebieten zweifelsohne nährt.

Wenn schon, dann sollten wir Israel etwas anderes abschauen: Erhöhte Gefährdung hin oder her – sogar in diesem hochgerüsteten Land geht das Leben weiter. Auch Israelis besuchen Konzerte und Festivals.