Ein YB-Erfolg hat Seltenheitswert. Seit über 30 Jahren warten eingefleischte Fans mit einer eigentümlichen Mischung aus Sehnsucht, Verzweiflung und Masochismus auf den Gewinn der Meisterschaft. Doch dieses Jahr sieht es für den Berner Fussballclub gut aus.

Sieben Runden vor Schluss weist YB komfortable 13 Punkte Vorsprung auf Verfolger und Serienmeister Basel auf. Geschieht nicht noch ein Wunder, ist der erste YB-Meistertitel seit 1986 bald Tatsache.

Die Aussicht auf eine historische Meisterparty ruft nun Berner Politiker von links bis rechts auf den Plan. Sie überraschen mit einer speziellen Idee: Nicht der Rathausplatz soll YB als Festkulisse dienen, sondern die grösste Fläche der Stadt, der Bundesplatz.

Den Pokal sollen die Spieler vom Bundeshaus-Balkon in den Himmel stemmen. Da gibt es ein Problem: Als nationales Gebäude befindet sich das Bundeshaus ausserhalb des Berner Hoheitsgebiets.

Die Berner bräuchten den Goodwill des eidgenössischen Parlaments. Die St. Galler Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter meinte unlängst diplomatisch: «Sollte ein Gesuch eingehen, würde die Verwaltungsdelegation dieses sorgfältig prüfen.»

Nun ist das Bundeshaus ein Ort des politischen Geschehens, ein Ausdruck der Willensnation Schweiz. Bierselige Berner Triumph-Gesänge sind fehl am Platz. Wo kommen wir sonst hin? Heute YB, morgen die Sackhüpfer.

Deshalb ein Vorschlag: Wenn YB unbedingt auf dem Bundesplatz feiern will, so sollen sie in die Vertretung ihres Sponsors Valiant ausweichen. Dieser verfügt ebenfalls über einen Balkon zum Bundesplatz hin.

Kommt hinzu: Im benachbarten Haus wird Egger Bier ausgeschenkt. Da lässt sich trefflich eine Pipeline legen, um die erhitzten Fussballer-Kehlen mit einem kühlen Blonden zu versorgen.