Politikerinnen und Politiker ringen um Lösungen. Sie haben Meinungen und Strategien, und diese können im Laufe des politischen Prozesses ändern. Nicht aus bösem Willen. Nicht, weil sie das sogenannte «Volk» betrügen wollen. Sondern, weil man auch klüger werden darf. Weil sich die schweizerische Politik am Machbaren, am Möglichen orientiert. Am Wohl der Allgemeinheit.

Wer damit nicht einverstanden ist, hat bei uns Mittel, sich zu wehren. Im Fall der MEI-Umsetzung wäre das Referendum so ein Mittel. Nicht in unsere politische Auseinandersetzung gehören Anfeindungen, die auf den Mann oder die Frau spielen. Verhöhnungen von Andersdenkenden, persönliche Herabsetzungen, Vorwürfe von «Landesverrat» haben in unserer politischen Kultur nichts zu suchen. Das ist Aufwiegelung der Bevölkerung gegen angebliche «Eliten» in Bern mit dem Ziel, Unfrieden zu stiften um der eigenen Macht willen.

In den USA schoss kürzlich ein Mann in einer Pizzeria um sich, aufgestachelt durch sogenannte «Fake News». Das Trump-Lager hatte die Falschmeldung weiterverbreitet, dass Hillary Clinton dort ein Pädophilennetzwerk betreibe. In England wurde eine Brexit-Gegnerin ermordet. Die Fälle zeigen, was geschehen kann, wenn man Bürger aufhetzt. Wollen wir solche Zustände in der Schweiz? Wollen wir, dass auch unsere Politiker Polizeischutz brauchen?

Wir haben Brandstifter unter uns, welche die Stimmung im «Volk» gezielt aufheizen. Statt dazu beizutragen, die teilweise berechtigten Sorgen und Ängste der Leute ernst zu nehmen und Lösungen zu finden. Das ist zutiefst unschweizerisch. Die Hetzer gefährden unser offenes, urdemokratisches System, dank dem es uns besser geht als anderen. Es ist an uns allen, diesem System durch Besonnenheit Sorge zu tragen.