Ich will oft was von Leuten. Gratis. Eine Auskunft zum Beispiel. Zu meinem Mobilfunk-Abo, meiner Krankenkassenabrechnung oder einem Thema für die Zeitung. Wenn ich die Leute dann zwanzig Minuten oder länger aufgehalten habe, sage ich, wie ich das gelernt habe: «Vielen Dank.» Oft sagt dann aber auch die Gegenseite: «Danke Ihnen.» Manchmal heisst es sogar schon vor der Auskunft: «Vielen Dank für Ihre Anfrage.» Es macht keinen Sinn. Die Leute erhalten rein gar nichts von mir. Allerdings habe ich festgestellt, dass ich auch schon sinnlos zurückgedankt habe. «Danke, Adieu!» Das Wort hat sich in die Verabschiedungsformel eingeschlichen. Danke-Adieu hier, Danke-Adieu da.

Aber nicht nur beim Verabschieden, auch im Umgang mit Freunden wird ständig gedankt. Danke fürs Zurückrufen, fürs Glas-Abwaschen, fürs Buch-Zurückbringen, fürs Nettsein. Vielleicht ist es eine Floskel geworden. Vielleicht ist die Dankitis aber auch ein Anzeichen dafür, dass wir Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich finden. Eine Inderin sagte mal zu mir: «Hör auf, dich ständig zu bedanken. Du beleidigst uns. Du bist doch bei uns zu Gast.»