Treffen sich zwei Väter, sagt der eine voller Stolz und mit geschwellter Brust: «Stell Dir vor, der Freund meiner Tochter ist ein von und zu.» Antwortet der zweite lächelnd: «Der Freund meiner Tochter ist auch adelig; er ist ein auf und davon.» Als ich etwa 13 Jahre alt war, wurde uns in der Schule erklärt, dass man ab sofort keine Titel mehr sagen würde, sondern jedermann werde mit dem Geschlechtsnamen angesprochen. Denn Titel würden nichts aussagen über Fähigkeiten und Talente.

Wir wissen dies heutzutage. Aber noch immer werden zum Beispiel Prüfungen mittels Multiple-choice-Fragen durchgeführt, die nun anerkanntermassen nichts aussagen über die gelernte Materie, sondern lediglich Auskunft geben über die Fähigkeit, auswendig zu lernen. Obwohl wir dies wissen, gibt es noch derartige Prüfungen und noch schlimmer, wir reden nach wie vor Leute mit einem Titel an, statt lediglich mit dem Namen. Es heisst immer noch Herr Bundesrat, Frau Nationalrätin, Herr Doktor, Herr Professor, Herr Gemeinderat. Was sind diese Titel wert? Wir erleben es tagtäglich: nichts!

Als ich jung war – das ist nun schon einige Zeit her –, war es nicht wichtig, einen Titel zu haben, es sei denn einen militärischen Grad, ab Hauptmann, wichtig war allein, was einer konnte. Man haschte nicht nach Papieren und kaufte sich nicht Diplome, man wollte nur einer der Besten sein in seinem Fach.

Die Zeiten sind vorbei.

Heute zählen Papiere, wie viel einer weiss, ist zumindest zu Beginn einer beruflichen Laufbahn ziemliche Nebensache. Die Titel und Diplome zählen. Ich käme mir äusserst lächerlich vor, wenn mich jemand anspräche mit: Herr «Lehrer-Instruktor-Schauspieler-Sänger-LKW-Fahrer-Pferdetrainer-Hundecoach-und-Entertainer» Picard. Aber eigentlich wäre dies doch die logische Konsequenz im Vergleich zur «Frau Bundespräsidentin».

Ein Unterschied bestünde vielleicht, was ich gelernt habe und ausübe, beherrsche ich weitestgehend. Deshalb brauche ich ja auch keine Titel, denn ich bin stolz auf meinen Namen und mein Können. Ich wurde in Deutschland mal gefragt, wie ich denn richtig heissen würde, «René Picard» sei gewiss nur der Künstlername. So etwas brauche ich eben nicht. Meine Fähigkeiten beweise ich mit Taten und nicht mit Worten, es sei denn wie im vorliegenden Fall mit einem satirischen Text.

René Picard arbeitet als Hundetrainer in Frick. Er ist Schauspieler, Sänger und fuhr lange Postauto.