Auch in der Polit-Sprache ist die Rede von der schleichenden Gefahr verbreitet. Immer dann, wenn der Bürger vor einer besonders perfiden Bedrohung gewarnt werden soll. Sei es die «schleichende Überfremdung», der «schleichende EU-Beitritt» oder die «schleichende Entmündigung»: Politiker spielen sich gerne als Mahner auf, die den nichts ahnenden Bürger vor den Gefahren im Dunkeln warnen.

Als Wachhunde der Gemeinschaft deuten sie die Zeichen, die dem Bürger fatalerweise verborgen bleiben. So etwa die zahlreichen arabischen Beschriftungen in Interlaken. Sie seien ein Indiz für die «schleichende Islamisierung» des Berner Oberlands, warnte kürzlich JSVP-Politiker Nils Fiechter. 

Eine vermeintliche Gefahr «schleichend» zu nennen, hat Vorteile: Was sich heranschleicht, ist noch nicht da und bedarf deshalb nicht der empirischen Verifizierung. Ein Bauchgefühl reicht schon. Zweitens ist das Wort suggestiv: Schleichen, das erinnert uns an den Kriechgang von Reptilien. Hinterlistig wie eine Schlange schleicht sich der Feind an uns heran. Dem Schauder des Unheimlichen gaben wir uns schon immer gern hin.