Eine erste Einschätzung zu den Ergebnissen in den Bezirken Aarau, Kulm, Lenzburg und Zofingen.

Von speziellem Interesse sind die Resultate im Bezirk Aarau: Da sind mittelfristig gleich drei politische Kaderstellen neu zu besetzen. Der Bezirk hat seit 2009 keinen Vertreter im eidgenössischen Parlament mehr. Zudem muss – im Extremfall bereits im Herbst 2017 – die Nachfolge von Aaraus Stadtpräsidentin Jolanda Urech geregelt werden (sie erreicht 2017 das AHV-Alter). Und bis 2020 sollte ein Kandidat als Ersatz für Regierungsrat Urs Hofmann (SP, dannzumal 64) aufgebaut werden.

In einer guten Ausgangslage ist der Freisinnige Aarauer Lukas Pfisterer (43). Mit seinen 5890 Stimmen war er am Wochenende – bei leicht höherer Stimmbeteiligung – deutlich erfolgreicher als 2012 (3839 Stimmen). Gut lief es für Pfisterer insbesondere in der Stadt Aarau, wo er 1961 Stimmen bekam. 746 stammten von fremden oder leeren Listen (Panaschierstimmen), was ein klares Indiz dafür ist, dass er in breiten Bevölkerungskreisen gut verankert ist. Es wäre demzufolge nicht wagemutig, wenn es Pfisterer nochmals als Stadtammann-Kandidat versuchen würde. Allerdings nur, falls Jolanda Urech zurücktritt (gegen sie hat er 2013 verloren). Er könnte aber auch auf die Nachfolge von Nationalrätin Corina Eichenberger (61, FDP) aspirieren.

Dort hat er parteiintern starke Konkurrenz: Maja Riniker (38, Suhr) erreichte bei den Nationalratswahlen 2015 den hervorragenden 2. Ersatzplatz – und am Wochenende bestätigte sie ihre gute Form. Überzeugt hat auch eine weitere FDP-Frau: Suzanne Marclay-Merz (43, Aarau) würde in den Grossen Rat nachrutschen, falls es Maja Riniker nach Bern schafft. Oder sie könnte für den Stadtrat ein Thema werden, falls die Freisinnigen Bedarf haben.

Bei den Sozialdemokraten sind die Perspektiven der neugewählten Grossrätin Gabriela Suter (44) vielversprechend. Mit ihrem hervorragenden Resultat hat sie sich sicher für den Aarauer Stadtrat, allenfalls sogar für das Stadtammann-Amt, empfohlen. Für Letzteres müsste Jolanda Urech noch mindestens zwei Jahre weitermachen. Und parteiintern könnte ihr Konkurrenz durch Franziska Graf-Bruppacher (45) erwachsen: Sie ist bereits Stadträtin (seit 2014) und hat die Wiederwahl in den Grossen Rat am Sonntag geschafft – allerdings nur dank dem Sitzgewinn der SP. Gabriela Suter als Nationalrätin? Wohl nur, falls die Sozialdemokraten im Aargau 2019 ein drittes Mandat gewinnen. Bei den Wahlen 2015 hatte sie vergleichsweise viele Stimmen erhalten.

Sehr unkomfortabel ist die Lage für die SVP der Stadt Aarau. Kurz vor den Wahlen hat sie – durch Wegzug nach Erlinsbach – ihren Mann mit dem meisten Stadtrats-Potenzial verloren. Clemens Hochreuter (36) könnte aber für die Nationalratswahlen 2019 ein Thema sein (er ist aktuell 4. Ersatz). Susanna Heuberger (54), SVP-Fraktionspräsidentin im Aarauer Einwohnerrat, hat zwar bei den Grossratswahlen ein gutes Ergebnis erzielt, ist aber 2013 bei den Stadtratswahlen bereits gescheitert. Und sonst? Weit und breit keine Kandidaten in Sicht, die in lokalen/regionalen Wahlen bestanden haben.

Keine derartigen Sorgen plagen die SVP in den Bezirken Kulm und Zofingen. Dort sind am Wochenende mit Karin Bertschi (26, Leimbach) und Martina Bircher (32, Aarburg) politische Sterne aufgegangen, die noch lange und sehr intensiv leuchten könnten. Zum Beispiel wenn es um die Nachfolge der SVP-Nationalräte Sylvia Flückiger (64, Schöftland) oder Ulrich Giezendanner (62, Rothrist) geht. Dabei dürften aber die Nationalratssöhne Christian Glur (41, Murgenthal) und Benjamin Giezendanner (34, Rothrist) auch ein gewichtiges Wort mitreden. Glur hat am Wochenende ein gutes, Giezendanner ein hervorragendes Wahlergebnis erreicht.

Im Bezirk Lenzburg könnte die wiedergewählte Grossrätin Jeanine Glarner (32, Möriken-Wildegg) allenfalls nach Höherem streben – aber wohl eher langfristig. Lenzburgs Stadtammann Daniel Mosimann (58, SP) scheint mit der Wahl ins Kantonsparlament den Höhepunkt seiner politischen Karriere erreicht zu haben – nur schon wegen seines Alters.

Und was ist mit potenziellen Nachfolgekandidaten für Regierungsrat Urs Hofmann? Da ist ein weites, weitgehend leeres Feld. Aufgedrängt hat sich am Wochenende keine oder keiner.