USR III

Grosse Zukunft für Software

Software-Entwicklung dürfte mit dem neuen Gesetz als Aufwand abgezogen werden. (Symbolbild)

Software-Entwicklung dürfte mit dem neuen Gesetz als Aufwand abgezogen werden. (Symbolbild)

Markus Gisler über eine Szene, die über einen Gesetzes-Halbsatz bald jubeln könnte.

In der Diskussion um die Unternehmenssteuerreform III (USR III) ist ein wichtiger Aspekt bisher weitgehend unbeachtet geblieben. Mit dem Paket wird nämlich die Forschung und Entwicklung in diesem Land bevorzugt behandelt mit dem klaren Ziel, die Unternehmen zur Forschung zu animieren.

Der Sinn ist offenkundig. Der Werkplatz Schweiz verliert in der Produktion laufend an Bedeutung, gerade der starke Franken hat innerhalb von zwei Jahren die Maschinenindustrie 10 000 bis 12 000 Arbeitsplätze gekostet. Wir müssen deshalb alles daransetzen, den Forschungsplatz zu stärken, um technologisch die Spitze halten zu können.

Die Vorlage USR III enthält zwei Instrumente, welche Anreize schaffen, in der Schweiz in die Forschung und Entwicklung zu investieren. Artikel 25a erlaubt es den Kantonen, in ihren jeweiligen Steuergesetzen (die alle nach der Abstimmung angepasst werden müssen) die Kosten für Forschung und Entwicklung nicht nur vollständig abzuziehen, sondern zusätzliche 50 Prozent als quasi fiktiven zusätzlichen Aufwand in Abzug zu bringen. Unternehmen, die forschen und entwickeln, erhalten damit einen steuerlichen Vorteil. Artikel 25a wird dazu führen, dass ausländische Firmen ihre Forschungsabteilungen vermehrt in die Schweiz verlegen.

Die zweite in dieser Hinsicht geradezu bahnbrechende Neuerung versteckt sich in Artikel 24a, in dem die Abzugsfähigkeit von Patenten, die sogenannten Patentboxen, beschrieben wird. Entwicklungsaufwände, welche zu Patenten führen, können neu zu 90 Prozent abgeschrieben werden. Absatz 4 dieses Artikels berücksichtig auch bisher nicht patentgeschützte Erfindungen von «kleinen und mittleren Unternehmen sowie Software».

Software-Unternehmen, von denen es in der Schweiz ein paar tausend gibt, versetzt dieser Halbsatz in Jubelstimmung. Weil auf Software generell nirgends auf der Welt Patente angemeldet werden können, sind die Kosten für die Softwareentwicklung unter dem geltenden Aktienrecht nicht abzugsfähig. Neu können diese Aufwände jedoch zu 90 Prozent von den Steuern abgesetzt werden.

Für die Schweizer Software-Szene ist das wie Weihnachten und Ostern zusammen. Im internationalen Standortwettbewerb wird die Schweiz damit extrem attraktiv. Die USR III hat das Potenzial, die Schweiz zu einem der führenden Standorte, zu einem Cluster für Softwareentwicklung hochzutreiben. Damit eine solche Anhäufung von Firmen der gleichen Branche entsteht, was erwiesenermassen zu einer gegenseitigen Befruchtung führt, braucht es besondere Anreize. Steuerlich abzugsfähige Entwicklungskosten sind das zweifellos.

In der Diskussion um diese komplexe USR III wird von der gegnerischen Seite häufig ins Feld geführt, die Vorlage begünstige die grossen Unternehmen und führe zu Steuerausfällen, welche der Steuerzahler zu stopfen habe. Dass da und dort eine Steuererhöhung droht, ist nicht von der Hand zu weisen, weil es jede Menge unbekannter Faktoren gibt, welche das Steueraufkommen unter der USR III beeinflussen.

Noch hat kein Kanton zu beziffern versucht, um wie viel allenfalls die Kantonssteuern steigen könnten, wie viel er auf die Gemeinden abwälzen will. Doch selbstverständlich rechnen die zuständigen Amtsstellen bereits fleissig. Hinter vorgehaltener Hand ist beispielsweise aus dem mit den Nordwestschweizer Kantonen Aargau, Baselland oder Solothurn vergleichbaren Kanton St. Gallen zu vernehmen, dass das zu erwartende Minus im tiefen mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen könnte.

Da die Abschlüsse von Kantonen und Gemeinden landesweit in den letzten Jahren mehrheitlich über Budget lagen, dürfte der Ausfall durch das steigende Steueraufkommen kompensiert werden, sodass Steuererhöhungen grossmehrheitlich ausbleiben dürften.

Für die Schweiz viel bedeutender ist dagegen die Sicherstellung von qualifizierten Arbeitsplätzen, eine Sicherstellung, die zu direkten Steuereinnahmen führt. Eine international führende Software-Entwicklung – und generell ein gestärkter Forschungsstandort – sind dafür ideale Voraussetzungen. Sie bieten insbesondere der jungen, mit der digitalen Welt aufwachsenden Generation, den so genannten Digital Natives, eine Zukunft.

Der Autor ist Betriebsökonom HWV. Er war Chefredaktor («Cash», «Aargauer Zeitung») sowie Gastgeber der TV-Sendung «Cash-Talk». Heute ist er Partner bei der Kommunikationsagentur GMRZ und unterstützt Unternehmen und Führungsleute in der Öffentlichkeitsarbeit.

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