Prozess

Greenpeace und die AKW: Wer kann welches Risiko tragen?

Eine Greenpeace-Aktivistin protestiert im März 2014 beim AKW Beznau.

Eine Greenpeace-Aktivistin protestiert im März 2014 beim AKW Beznau.

Es ist das Risiko, das die Aktivisten von Greenpeace eingehen: Wenn sie auf das Gelände des Atomkraftwerks Beznau vordringen und Transparente ans Reaktorgebäude hängen oder ein Gebäude der AKW-Betreiberfirma Axpo mit schwarzem Kunststoff verhüllen, werden sie wegen Hausfriedensbruchs oder Sachbeschädigung verurteilt. Je nach Delikt erhalten sie danach Geldstrafen oder müssen eine Busse bezahlen, dazu kommt ein Eintrag im Strafregister.

Die letzten Greenpeace-Aktionen hatten jeweils das AKW Beznau im Visier, bei dem ein Reaktor wegen Problemen am Druckbehälter rund drei Jahre lang stillstand. Noch heute sei das Kraftwerk eine Blackbox, kritisiert die Organisation. Dies, weil ein Bericht zum Zustand des Reaktorbehälters trotz eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts noch nicht veröffentlicht wurde. Dass es so lange dauert, bis die Unterlagen publik sind, ist tatsächlich ärgerlich. Ob der Bericht, den die Axpo bereits im Jahr 2011 liefern musste, sicherheitsrelevante Informationen enthält, ist allerdings fraglich.

Bedenklicher als die Schwachstellen am Druckbehälter des AKW Beznau, die Experten für unbedenklich erklärten, sind indes die Probleme in Leibstadt. Dort steht das neueste Atomkraftwerk der Schweiz, doch innerhalb eines Jahres mussten die Verantwortlichen zweimal menschliche Fehler melden. Der oft zitierte Spruch «wo gearbeitet wird, passieren Fehler» ist in diesem Zusammenhang nicht angebracht. Anders als die Greenpeace-Aktivisten, die harmlose Strafen erhalten, riskieren AKW-Angestellte, die ihren Pflichten nicht nachkommen, unzählige Menschenleben.

fabian.haegler@chmedia.ch

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1