Es ist eine Frage, die sogar die SVP spaltet: Sollen alle Flüchtlinge, die im Aargau leben, in ihren Unterkünften kostenlos im Internet surfen können? Grossrätin Martina Bircher kritisiert die Idee als «Rundum-Sorglos- Paket» für Asylbewerber und sagt, damit sende der Aargau falsche Signale aus. Parteipräsident und Nationalrat Thomas Burgherr begrüsst das Vorhaben des Kantons und hofft, so würden weniger Flüchtlinge am Bahnhof Aarau oder an anderen Orten herumhängen, wo es Gratis-WLAN gibt.

Wenn die Flüchtlinge frei wählen könnten, wo sie leben möchten, würde kostenloses Internet in den Unterkünften die Attraktivität des Aargaus tatsächlich steigern. Doch die Menschen, die in kantonalen Zentren wohnen und auf ihren Asylentscheid warten, werden vom Bund zugewiesen. Dabei ist die Bevölkerungszahl der Kantone entscheidend, nicht die Ausstattung der Asylunterkünfte. Und dass der Aargau übermässig attraktiv ist für Flüchtlinge, lässt sich nach den jüngsten Kürzungen beim Verpflegungsgeld nicht behaupten. 

Hilfreich ist Gratis-WLAN für Asylbewerber, ganz egal, ob sie eine Deutsch-App nutzen, sich im Internet über Angebote des Kantons informieren, einfach nur Whatsapp brauchen oder Youtube-Videos schauen. Ob die Annahme zutrifft, dass sich so weniger Flüchtlinge im öffentlichen Raum aufhalten, ist offen. Für alle Kritiker der neuen Idee, die sich an hohen Asylkosten stören: Im Gegenzug könnten sich Einsparungen ergeben. Vielleicht lässt sich dank Gratis-Internet der Aufwand für die Bewachung der Asylzentren reduzieren oder ein teurer Polizeieinsatz am Bahnhof vermeiden.