Wieder eine eindrückliche menschliche Höchstleistung: Aliet Pérez aus Kuba fuhr mit verbundenen Augen und einem Sack über dem Kopf mit dem Motorrad eine Strecke von 15 Kilometern und brauchte dazu bloss acht Minuten. Das ist neuer Weltrekord. Und ein Grund zur Sorge. Denn Pérez wird Nachahmer finden. Er könnte Auslöser einer weltumspannenden neuen Volksbewegung werden. Die Botschaft, die er vermittelt, ist höchst willkommen, aber gefährlich: Man kann es recht weit bringen, wenn man die Augen vor der Welt verschliesst.

Der Blindfahrboom wird einsetzen. Betroffen sind nicht nur Töfffahrer. Auch Autolenker, Velofahrer, Skater und Boarder, ja selbst Rollatornutzer und andere Fussgänger machen begeistert mit. Wer sich bewegt, wird künftig versuchen, dies blind zu tun. Spätestens ab 2024 ist Blindfahren olympisch. Zumal sich das IOC ja selber durch eine gewisse Nähe zur Blindheit auszeichnet.

Blindfahren wird viele neue Arbeitsplätze schaffen. In der Industrie, die sehr kreativ im Erfinden, Herstellen und Verkaufen von Blindfahr-Gadgets aller Art sein wird. Im Gesundheitsbereich, wo es gilt, die Verletzten wieder zusammenzuflicken, im Strassenbau, wo jetzt blindfahrtaugliche Strassen gefordert werden. Blindfahrer oder Blindgänger zu sein, wird zum neuen Lebensstyle; der grassierende Pérezismus wird Psychologen, Philosophen und Politiker gleichermassen beschäftigen und kreative Werber beflügeln, etwa im Sinne von: «Das neue Sehen ist blind».
Vielleicht versuche ich heute auf dem Heimweg, ein paar Sekunden mit geschlossenen Augen zu fahren. Den Weg kenne ich ja blind.