Viele Leute, darunter auch prominente Journalisten, standen in ihren jungen wilden Jahren links und rutschten mit zunehmendem Alter nach rechts. In letzter Zeit plagte mich beim Betrachten des aargauischen Politbetriebs immer mal wieder die Frage: Läuft es bei mir, dem von Herkunft und Gesinnung her solide Bürgerlichen, umgekehrt? Bin ich im Alter nach links gerutscht? Aus dem von der SVP dominierten bürgerlichen Lager kamen immer wieder Aussagen und Forderungen, die ich überhaupt nicht verstand. Seit den jüngsten Abstimmungsresultaten bin ich beruhigt: Offenbar bin ich immer noch gut aufgehoben in der politischen Mehrheit des bürgerlichen Aargaus. Die Resultate stimmen meist mit meiner Haltung überein. Ich bin nicht nach links gerutscht, sondern die bürgerliche Politik nach rechts. Weiter nach rechts, als das Volk es erlaubt. Deshalb setzt es für die bürgerliche Politik an der Urne immer mal wieder eine Niederlage ab. So auch am letzten Sonntag bei der Krippenfrage oder bei der Grundbuchabgabe.

Zum jüngsten Urnengang noch diese kleine Schlussbemerkung: Haben Sie in den Montagsmedien gelesen, was SVP-Nationalrat und Hausbesitzer Hansjörg Knecht über die 33 Mio. Franken gesagt hat, die dem Staatshaushalt bei Streichung der Grundbuchabgabe gefehlt hätten? Sie wären «nicht budgetrelevant» gewesen! Da versucht die Regierung mit Klein- und Kleinstbeträgen, aus allen Poren der aargauischen Zitrone Einsparungen herauszupressen, da gibt es für ein Sparpaket von 17 Mio. Franken im Frühjahr 2015 eigens eine Volksabstimmung – muss sich da das Volk nicht etwas veräppelt vorkommen, wenn der Herr Nationalrat urteilt, das Doppelte davon, nämlich 33 Millionen, seien nicht budgetrelevant?

Auch dies ist seit dem letzten Sonntag klar: Es gibt keine Expo in der Ostschweiz. Das Stimmvolk will nicht. Und Kurt Schmid aus Lengnau spürt Morgenluft. Er war es ja, der 2014 die Idee einer Expo im Aargau lanciert hat. Fast mitleidig wurde ihm damals beschieden: «Diese Sache ist gelaufen, die Ostschweiz machts.» Sie machts nicht. Damit also: Zweitauflage der Aargauer Expo-Debatte. Allerdings steckt in dem Ganzen noch ein Konstruktionsdefizit. Kurt Schmid sagt: «Wir präsentieren kein fertiges Konzept, wir liefern nur den Anstoss.» Die Regierung aber lässt über ihren Sprecher ausrichten: «Wir werden nicht von uns aus tätig. Wenn jemand ein konkretes Projekt hat, befassen wir uns damit.» Da fehlt ein Teilchen. Ein Anstoss genügt nicht. Es braucht Wille und Vorstellung. Plan und Ziel. Geld und Geist. Und jede Menge Arbeit. Wo steckt der grosse Konkretisierer?